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Becker, Jurek - Leben und Biographie



Jurek Becker hat in vielen Romanen die Erfahrungen seiner polnisch-jüdischen Kindheit und des Lebens in der DDR verarbeitet. Bereits sein ersteT Roman Jakob der Lügner über den Alltag im Warschauer Ghetto begründete seinen Erfolg weit über die Grenzen der DDR hinaus.
      BeckeT wuchs ab 1939 im Warschauer Ghetto auf und war später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. Als Mitglied von FDJ und SED studierte er ab 1957 Philosophie in Ostberlin. Dort lebte er bis 1977 als Drehbuchautor und freiberuflicher Schriftsteller. Nachdem eT 1976 öffentlich gegen den Ausschluss von Reiner Kunze aus dem Autorenverband der DDR sowie gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert hatte, wurde er aus der SED ausgeschlossen. Ab 1977 hielt er sich mit Genehmigung der DDR-Behörden in Westdeutschland auf, wo er u.a. die DrehbücheT zur preisgekrönten ARD-Anwaltsserie Liebling Kreuzberg schrieb.

Jakob der Lügner
Jurek Beckers Erstlingsroman, in den persönliche Erfahrungen einflössen, gehört zu den gelungenen Versuchen, das Grauen der Juden-vemichtung während des Zweiten Weltkriegs literarisch zu verarbeiten. Becker selbst wuchs im Warschauer Ghetto sowie in den Konzentrationslagern von Ravensbrück und Sachsenhau-en auf. Von 1960 bis 1977 lebte Becker, der erst nach 1945 Deutsch lernte, in Ostberlin, wo auch der Roman entstand. Inhalt: Der Ich-Erzähler, Ãœberlebender eines polnischen Ghettos, schildert die Geschichte des Ghettobewohners Jakob Heym, der durch Zufall im deutschen Polizeirevier aus dem Radio Satzfetzen einer Meldung vernimmt, die fortan das Leben im Ghetto verändern sollte: »In einer erbitterten Abwehrschlacht gelang es unseren heldenhaft kämpfenden Truppen, den bolschewistischen Angriff 20 km vor Bczanika zum Stehen zu bringen.« Jakob kennt diesen Ort nur vom Hörensagen, doch weiß er, dass Bezanika nicht sehr weit vom Ghetto entfernt liegt. Gleichzeitig wird ihm bewusst, dass diese Nachricht den Ghettobewohnern einen konkreten Anlass zum Durchhalten und Weiterleben geben würde, denn mit dem sowjetischen Vormarsch näherte sich auch die Befreiung.
      Um die Glaubwürdigkeit seiner Informationen zu erhöhen, behauptet Jakob, selbst über ein Radio zu verfügen, dessen Besitz streng verboten ist. Durch die Notlüge gerät er unversehens in die Zwangslage, ständig neue Nachrichten erfinden zu müssen; sein Lügengewebe führt zu tragikomischen Situationen und das technische Medium wird zum Symbol von Verheißung und Gefahr. Einerseits schöpfen die Ghettobewohner wiedeT Hoffnung; sie schmieden Pläne, die Selbstmordrate ist rückläufig. Andererseits befürchten einige seiner Leidensgenossen, dass die Entdeckung des Radios durch die deutschen Besatzer letztlich alle gefährden könne.
      Jakob tritt seinen Kritikern entgegen, indem er die Wahrheit enthüllt, doch sein Eingeständnis wird nicht erkannt. Als die Lügen seine Kräfte zu übersteigen beginnen, vertraut er sich seinem Freund Kowalski an, der mit dem Geständnis scheinbar gleichgültig umgeht, in der Nacht aber Selbstmord begeht. Jakob begreift, dass er seine Leidensgenossen weiterhin mit Informationen über die bevorstehende Befreiung versorgen muss, doch schon am darauf folgenden Tag werden die Ghettobewohner ins Konzentrationslager abtransportiert. Der Roman bietet dem Leser zwei Schlüsse an: Das »blasswangige und verdrießliche, das wirkliche und einfallslose Ende« schildert den Abtransport aller Ghettobewohner. Doch gegen diesen Schluss erfindet sich der Erzähler ein hoffnungsvolles Ende aus eigener Fantasie: Zwar stirbt Jakob, der Lügner, bei seinem Fluchtversuch, aber das Ghetto wird von den russischen Truppen befreit. Wirkung: Die außergewöhnliche Leistung des Romans liegt in seiner unpathetischen Darstellungsweise. Becker erzählt mit distanzierter Ironie vom Alltag der Ghettobewohner und verdeutlicht umso mehr Schrecken und lrrwitz der Situation im von Deutschen besetzten Polen. Der Roman wurde 1974 in der DDR verfilmt ; 1999 folgte eine weitere Verfilmung mit Robin Williams in der Hauptrolle .
      Wichtige Bücher von Jurek Becker
Jokob der Lügner 1969 Jakob Heym gibt in einem jüdischen Ghetto während des Zweiten Weltkriegs vor, im Besitz eines Radios zu sein und deshalb zu wissen, dass sieh die Rote Armee nähert.
      Irreführung derBehörden 1973 Roman um Gregor Bienek, einen jungen Schriftsteller in der DDR, der pro forma ein Jurastudium betreibt und sich damit den Freiraum für seine schriftstellerische Arbeit schafft.
      Der Boxer 1976 Becker schildert in diesem Roman die Geschichte des ehemaligen KZ-Häftlings Aron Blank, der um eine neue Existenz im Ostberlin der Nachkriegszeit ringt und nach seinem verschollenen Sohn sucht.
      Schlaflose Tage 1978 Der Lehrer Karl Simrock versucht in diesem Roman dem enttäuschenden Alltagsleben auszuweichen, indem er alles aufgibt und Hilfsdienste in einer Brotfabrik aufnimmt.
      Bronsteins Kinder 1986 Becker konfrontiert in diesem Roman die jüdische Nachkriegsgeneration mit der Vergangenheit ihrer Eltern und wirft die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Selbstjustiz auf.
      Amanda herzlos 1992 Das Leben von Amanda Weniger im letzten Jahrzehnt der DDR wird aus der Perspektive dreier Männer geschildert.
     


Gedächtnislyriker im auge des orkans: jürgen becker (-i932)

I. Die Gedichte des am 10. Juli 1932 in Köln geborenen Jürgen Becker wirken wie die Partitur einer einzigen unendlichen Sprachmelodie. Vom 1971 publizierten Gedicht Fragment aus Rom bis zum Gedicht Unbekannte Pilze aus dem Jahre 2005 registrieren sie melancholisch und scheinbar ohne Gefühlsregung o .....
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Becker, jurek

Geb. 30. g. in Lodz Bis zum achten Lebensjahr mußte B. seine Kindheit im Ghetto von Lodz und in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Nach der Befreiung fand er seinen Vater wieder, der in Auschwitz überlebt hatte und nun mit seinem Sohn in Deutschland blieb, unter anderem, weil er den deutsc .....
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Becker, jürgen

Das Fenster am Ende des Korridors Hinck, Walter. In: Frankfurter Anthologie 4, 1979, S. 229 - 232. Gedicht, sehr früh Hinck, Walter. In: Frankfurter Anthologie 1, 1976, S. 247 - 249. Behrendt, Martin. In: Lyrik, 1981, S. 87 - 93. Gedicht über Schnee im April Härtung, Harald. In: Frankfu .....
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Natur-gedicht - jürgen becker

In der Nähe des Hauses, der Kahlschlag, Kieshügel, Krater erinnern mich daran — nichts Neues; kaputte Natur, 5 aber ich vergesse das gern, solange ein Strauch steht. Bereits die Sperrung der beiden Nomen Natur und Gedicht statt der geläufigen Schreibweise Naturgedicht zeigt an, daß es sich nich .....
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Jurek becker: »jakob der lügner« (i969) - ein ghetto-roman

Mutspender Lüge Im Ghetto ist Jakob Heyms Radio zu sagenhafter Bekanntheit gekommen. Gerade hat er im Keller des Hauses seiner kleinen Pflegetochter, der Waise Lina, die unbedingt einmal das versteckte Radio hören wollte, in stetem Wechsel der Stimmlage das Interview eines Reporters mit dem briti .....
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Jürgen becker (geb. i932): natur-gedicht -erich fried (i92i-i988): gespräch über bäume

Vom Ende der Landschaftsmalerei Der Titel von Jürgen Beckers Gedichtsammlung aus dem Jahre 1974, Das Ende der Landschaftsmalerei, pointiert fast programmatisch ein Grundthema seiner Lyrik: das allmähliche Verschwinden der Voraussetzungen und des Gegenstandes von Naturlyrik. Selbst was man »Stadtl .....
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Becker, rolf und alexandra

auch unter dem Pseud.: Malcom F. Browne Biografie: *Rolf Becker 25.11.1923 in London, ^Alexandra Becker 10.7.1925, tl990. R. Becker wuchs in Erfurt auf und begann nach dem Krieg zu schreiben. Später arbeitete er als Aufnahmeleiter für verschiedene Filmproduktionen. Ab 1953 war er als freier Autor t .....
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