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Baudelaire, Charles - Leben und Biographie



Mit Charles Baudelaire begann eine neue Epoche in der Geschichte der europäischen Lyrik. Er brachte neue faszinierende Themen wie das Morbide, Paradoxe und Abgründige in die Poesie und verlieh als einer der Ersten dem Empfinden des modernen Großstadtmenschen Ausdruck. In einer hässlich gewordenen Welt wollte er das Schöne durch Imagination und Erinnerung in der Dichtung wiedergewinnen.
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nbsp;     BaudelaiTes Kindheit und Jugend waren überschattet vom frühen Tod des Vaters und der Wiederheirat seiner Mutter mit einem autoritären Offizier. Das zur Melancholie neigende Kind kam ins Internat. Nach einem kurzen Jurastudium schloss sich Baudelaire der Pariser Künstler-Boheme an und führte mit den Mitteln aus dem väterlichen Erbe das verschwenderische Leben eines Dandys, bis ihn die Familie unter Vormundschaft stellte. Der begeisterte Revolutionär zog sich nach dem Staatsstreich von 1851 ganz auf die Literatur zurück. Er arbeitete als Kunstkritiker und Ãobersetzer und veröffentlichte 1857 sein dichterisches Hauptwerk Les fleurs du mal . 1867 starb er nach längerer Krankheit in einer Nervenklinik in Paris.
      Die Blumen des Bösen
Charles Baudelaires epochales Werk bereitete formal und thematisch die moderne europäische Dichtung vor. Von der emotionalen Be-kenntnislyrik der Romantik hob er sich klar ab. Dichtung war für ihn ein intellektueller Prozess. Die radikal veränderte Thematik ging einher mit unbedingtem Formwillen, der sich in der genauen Komposition und in strengen Gedichtformen niederschlug. Wesentliche Kennzeichen seines Stils sind suggestive Bilder und Metaphern, rhythmische Sprache und die poetische Kraft der Symbole.
      Entstehung: Baudelaire plante zunächst die Veröffentlichung der ab Anfang der 1840er Jahre entstandenen Gedichte unter dem Titel Les Lesbiennes oder Les limbes . Zwei Monate nach Erscheinen musste sich der Verfasser der Gedichte nach einer polemischen Rezension wegen Beleidigung der öffentlichen Moral vor Gericht verantworten. Er wurde verurteilt, in deT zweiten Auflage sechs Gedichte zu streichen. Spätere Neuauflagen enthalten zusätzliche Verse und auch die verbotenen Gedichte wurden wieder aufgenommen. Inhalt: Das einleitende Gedicht An den Leser verweist auf die Eigenart des Zyklus als angebliche Ausgeburt einer höllischen Fantasie. »Ennui« bezeichnet jenes Gefühl, zu dem der moderne Mensch verdammt ist. eine Mischung aus Schwermut, Langeweile und Lebensüber-druss. Die Künstlichkeit der Großstadt, der Rausch und die Blasphemie bieten nur scheinbar Fluchtpunkte. Die Gedichte der ersten, umfangreichsten Gruppe Spleen et ideal spiegeln das Ringen des Dichters wider, seine Aufschwünge, Stürze und seine Resignation. Dem ennui bzw. spieen, den Walter-»Benjamin als »Katastrophe in Permanenz« definierte, stellt Baudelaire die Sehnsucht nach dem Ideal entgegen. Die unter dem Titel Tableauxparisiens zusammenge-fassten Gedichte begründeten Baudelaires Ruhm, als Erster die zivilisatorischen Reize der modernen Großstadt in die Poesie einbezogen zu haben. Die Gedichte enthalten Bilder, Träume und Visionen von Paris, der »schrecklichen Landschaft«, das bevölkert wird von Blinden und Bettlern, Buckligen und Greisen. Selbst das Grauen kann den müßigen »flaneur« faszinieren. In den Gedichten der Gruppe Le vin geht der Dichter den bewusstseinserwei-ternden Wirkungen von Rauschgiften nach und singt dem Wein ein Loblied, da er das Elend vergessen ließe und die Liebenden in das Paradies der Träume führe. Doch letztlich bringt auch die Flucht in den Rausch keine Erlösung. Aus den Gedichten der Gruppe Fleurs du mal und den blasphemischen Versen der Revolte spricht die Stimme der Verzweiflung, aus der kein Weg mehr hinauszuführen scheint. Die Gedichte La mort und Le voyage beschreiben die letzte Reise in den Tod, die Erlösung bringt vom ennui. Der Dichter unternimmt die Reise, gleich, ob sie zum Himmel oder zur Hölle führt, da er auf dem Grund des Unbekannten Neues zu finden hofft. Wirkung: DeT Erfolg des Gedichtbandes war zu Lebzeiten Baudelaires eher gering. Erst spätere Dichtergenerationen wie die Symbolisten und die Surrealisten erkannten die neuartige suggestive Sprachmagie der Lyrik. Baudelaires entscheidender Einfluss ist im Werk nachfolgender Dichter wie Stephane ->Mallarme, Arthur -> Rimbaud, Georg ~>Trakl oder Paul -^Celan erkennbar. Der Gedichtband wurde mehrfach ins Deutsche übertragen, erstmals von Stefan George .
      Die wichtigsten Bücher von Charles Baudelaire
Die Blumen des Bösen 1857 Baudelaires Hauptwerk, eine streng aufgebaute Gedichtsammlung mit radikal veränderter Thematik, wirkte stilbildend auf die nachfolgende Lyrik.
      Die künstlichen Paradiese, 1860 In den Prosatexten, in denen er u.a. eigene Erfahrungen einbaut, geht Baudelaire den Wirkungen von Wein und Haschisch nach.
      Die Kunst derRomantik 1868 In kritischen Schriften setzt sich Baudelaire mit Zeitgenossen wie Victor Hugo,Theophile Gautier, Marceline Desbordes-Valmore und dem Begriff der Moderne in der Kunst auseinander.
      Ã"sthetische Merkwürdigkeiten 1868 In der Sammlung theoretisch-kritischer Aufsätze über Malerei und Literatur skizziert Baudelaire die Leitlinien seines ästhetischen Ideals.
      Der Spleen von Paris 1869 Baudelaire suchte in der poetischen Prosa von hoher Musikalität neue sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten für die Darstellung des spezifisch »Modernen« in der Großstadtwelt.
      IntimeTagebücher 1887 In den zwischen 1855 und 1866 entstandenen unzusammenhängenden Aufzeichnungen formuliert Baudelaire wesentliche Elemente seines künstlerischen Selbstverständnisses.
     


Derrida als baudelaire-leser: la fausse monnaie

In seinen Kommentaren zu Baudelaires Prosagedicht La Fausse monnaie/Das falsche Geldstück greift Derrida einige Argumentationsstränge aus »La Double seance« wieder auf und veranschaulicht seine Vorstellung von der Streuung oder Dissemination anhand von linguistischen und anthropologischen Beispiel .....
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Chamisso, adelbert von, (d. i. louis charles adelaide de c.)

»Es ist die alte, gute Geschichte. Werther erschoß sich, aber Goethe blieb am Leben. Schlemihl stiefelt ohne Schatten, ein >nur seinem Selbst lebender < Naturforscher, grotesk und stolz über Berg und Tal. Aber Chamisso, nachdem er aus seinem Leiden ein Buch gemacht, beeilt sich, dem problematischen .....
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Darwin, charles

Im Jahre 1838 trug D. folgende Bemerkung in sein Notizbuch ein: »Piaton . . . sagt im Phaidon. unsere »notwendigen Ideen< entstammten der Präexistenz der Seele, seien nicht von der Erfahrung abgeleitet. - lies Affen für Präexistenz.« D. tormuliert hier den Grundgedanken einer - wie wir heute sagen w .....
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Fourier, charles

Seine Idee war. Sexualität und Arbeit miteinander zu versöhnen, jenseits von jeder Art von Gewalt und Zwang und in einer Umgebung äußersten Luxus. Er träumte von einem Perpetuum mobile aus Wirtschaft und Eros. Damit blies er. ohne daß er es ahnte, zum Sturm auf die letzte Bastion des Christentums. D .....
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Montesquieu, charles de secondat

Als M. im Wmter 1755 schwer an Grippe erkrankte, am >. Februar gar ins Koma fiel. Heß sich Papst Benedikt XIV. durch seinen Pariser Nuntius lautend berichten, ob der angesehene Rechtsdenker und Moralphilosoph nicht endlich gebeichtet und seinen Frieden mit der Römischen Kirche gemacht hätte. Dieses .....
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Morris, charles william

Die Entscheidung, sich der Wert- und Zeichentheorie zu widmen, traf M. Ende der 30er Jahre, als er eines Abends auf Läszlö Moholy-Nagy wartete. Moholy-Nagy, zusammen mit Walter Gropius am Bauhaus tätig, aber seit der Macht-* Ãobernahme Hitlers 1933 in London lebend, wurde 1937 als - Leiter an das »N .....
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Peirce, charles sanders santiago

Der Geburtsort des Pragmatismus war der »Metaphysiker-Klub«. der Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts in der Nähe von Harvard in Alt-Cambridge alle zwei Wochen tagte. Hier legten vor allem P. und William James die Grundlage für eine neue Pachtung innerhalb der Philosophie. Während James einer .....
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Glauser, friedrich charles

Biografie: *4.2.1 Wien, t8.2.1 in Nervi bei Genua. F. Glausers Leben war geprägt vom ständigem Wechsel zwischen Internierung und Entlassung, Entziehungskuren und den Versuchen ein bürgerliches Leben zu führen. Seine Morphiumsucht, die ihn ungefähr seit dem 21. Lebensjahr begleitete, war zentrales Tr .....
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Sealsfield, charles (d. i. karl anton postl)

Der Fremde war einsam gestorben, als alter Mann war er vor wenigen Jahren in den kleinen schweizer Ort Unter den Tannen gezogen, und niemand wußte etwas über ihn zu sagen. Doch als die Eidgenossen sein Testament fanden, war der Name plötzlich in aller Munde: Mr. S. hatte ein wirres Leben geführt. Je .....
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Baudelaire,  Charles    


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