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Bassani, Giorgio - Leben und Biographie



Das Werk von Giorgio Bassani kreist um das Schicksal der jüdischen Familien in Ferrara zur Zeit des Faschismus und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ohne Pathos, leise, aber deshalb umso eindringlicher beschwört er den Untergang der Welt seiner Kindheit und Jugend.
      Bassani wuchs in Ferrara auf, studierte Literatur und Kunstgeschichte und promovierte - bereits unter Schwierigkeiten - 1939 im faschistischen Italien. Danach arbeitete er als Lehrer an einer jüdischen Schule, bevor er sich 1942 der Widerstandsbewegung anschloss und kurzeitig ins Gefängnis kam. Nach seiner Heirat 1943 lebte er in Florenz und Rom im Untergrund. Als Verlagsmitarbeiter, Rundfunk- und Drehbuchautor verdiente er nach Kriegsende seinen Lebensunterhalt; daneben war er Herausgeber zweier Literaturzeitschriften. Ab 1953 trat er als Erzähler und Romancier hervor. Neben zahlreichen italienischen Ehrungen erhielt Bassani 1969 den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund.
      Die Gärten der Finzi-Contini
In seinem Hauptwerk stellt Giorgio Bassani sein Thema - den Untergang des jüdischen Bürgertums - am Beispiel des Schicksals einer Familie dar. Sachlich, fast kühl wird das Geschehen berichtet; einziges Zugeständnis an die Gefühlswelt ist die Verwendung eines Ich-Erzählers.
      Inhalt: Die Familie Finzi-Contini hat sich deutlich von den anderen jüdischen Familien in Ferrara abgesetzt. Ihr großer Besitz ist für niemanden zugänglich, ihren Gottesdiensten gehen sie in einer Privatsynagoge nach. Der Ich-Erzähler hat nur einmal, als Schulkind, eine kurze Begegnung mit Micol, der Tochter des Hauses, gehabt, aber das Haus und den angrenzenden Park nie betreten. Als 1938 die Rassengesetze erlassen werden, die Juden u.a. auch die Mitgliedschaft in Sportvereinen verbieten, öffnet die Familie Finzi-Contini ihren Park und bietet den jungen Juden Ferraras ihren Tennisplatz an. Außerdem verzichtet sie auf den Besuch in ihrer Privatsynagoge und feiert den Vorabend des Sabbats gemeinsam mit anderen Glaubensgenossen in einer der städtischen Synagogen.
      Der Ich-Erzähler kommt wegen seiner literaturgeschichtlichen Forschungen im Rahmen seiner Doktorarbeit in Kontakt mit dem Oberhaupt der Familie Finzi-Contini. Er darf die Bibliothek des Hauses benutzen und ist bald täglich dort zu finden. Zunehmend fasziniert von der kultivierten Atmosphäre des Hauses, den geistreichen Gesprächen und der unverbindlichen Art des Umgangs, kann sich der lch-Er-zähleT keinen angenehmeren Aufenthaltsort vorstellen. Zudem verliebt er sich in die zurückhaltende, spröde erscheinende Micol. Scheu und ungelenk macht er der spöttischen Schönen den Hof, die sich seine Liebesbeweise gnädig gefallen lässt, ohne sie zu erwidern. Als sie erkrankt ist, darf er sie endlich in ihrem Zimmer besuchen. Er überfällt sie auf eine plumpe Weise und bedrängt sie, doch sie reagiert kühl und überlegen. Dieses Zusammentreffen erscheint in seinen Augen als eine Katastrophe - er vermag nichl zu verstehen, dass Micol sich in der Zeit der Verfolgung und der täglichenedrohung den Luxus einer wirklichen Liebesbeziehung nicht erlaubt und keine Zukunft für sich sieht. So lässt sie sich nur auf eine rein sexuelle Affäre mit dem nicht jüdischen Freund des Ich-Erzählers ein, auf eine Beziehung, die von vornherein ihre Fortsetzung ausschließt.
      1943 werden Micol und ihre Eltern deportiert; der Ich-Erzähler weiß um ihre Ermordung, wird aber niemals ihre Grabstätte besuchen können. Aufbau: Der Roman beginnt mit dem Besuch des Ich-Erzählers in der etruskischen Gräberstadt von Cerveteri. Angesichts dieser pompösen Grabstätten erinnert er sich an das Mausoleum der Familie Finzi-Contini, in dem die Menschen, die er kannte und liebte, nicht ihre letzte Ruhe fanden. Der Ich-Erzähler berichtet aus der Erinnerung, bedauernd, melancholisch, unter dem Motto des »Zu spät«. Wirkung: Der Roman, der Bassani den italienischen Literaturpreis »Premio Viareggio« einbrachte, machte den Autor nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa bekannt. Die Verfilmung von 1970 unter der Regie von Vittorio de Sica trug zur weiteren Verbreitung des Romans bei.
      Die wichtigsten Bücher von Giorgio Bassani
Die Brille mit dem Goldrand, 1958 Ein homosexueller Arzt erlebt die gleiche Ausgrenzung aus der Gesellschaft wie die jüdische Bevölkerung.
      Ferrareser Geschichten, 1960 Die Erzählungen aus der Zeit des Faschismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit in Ferrara wurden ein weltweiter Erfolg.
      Die Gärten der Finzi-Contini, 1962 In seinem preisgekrönten Roman führt Bassani den Untergang des jüdischen Bürgertumsam Beispiel einer Familie vor.
      Hinter der Tür 1964 In dieser autobiografischen Erzählung berichtet Bassani überdie z.T. als traumatisch erlebte Schulzeit.
      Der Reiher 1968 Ein jüdischer Gutsbesitzer kann die Last der Vergangenheit nicht länger ertragen und verübt Selbstmord.
     


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Bassani,  Giorgio    


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