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Barthes, Roland - Leben und Biographie



Roland Barthes ging es stets darum, den Blick der Gesellschaft für das alltägliche Leben zu schärfen. In seinen Untersuchungen entlarvte er die Wirklichkeiten des zeitgenössischen Films, der Musik, der Kleidung, der Literatur und der Werbung als ein gesellschaftlich konstruiertes Zeichensystem, das von einer unbeweglichen, kleinbürgerlichen Ideologie getragen wird.
      Barthes gehörte neben Claude -^Levi-Strauss, Jacques Derrida , Michel -> Foucault und Jacques Lacan zu einem der wichtigsten Vertreter des Strukturalismus. Nach seinem Studium der französischen und klassischen Literatur lehrte er an rumänischen und ägyptischen Universitäten und wurde Mitglied des staatlichen französischen Forschungszentrums CNRS . An der Pariser Ecole Pratique des Hautes Etudes gründete er Anfang i das Zentrum für Massenkommunikation. 1976 erhielt Barthes einen Lehrstuhl für literarische Se-miologie am College de France, wo er bis zu seinem Unfalltod lehrte. Neben den Mythen des Alltags gehören Die Sprache der Mode sowie Die helle Kammer zu den wichtigsten Veröffentlichungen von Barthes.
      Mytheji des Alltags
Was haben Beefsteak und Pommes frites, Albert Einsteins Gehirn und Citroen, Plastik, Jean Racine und der Striptease gemeinsam? Die auf den ersten Blick banalen Erscheinungen der Medien sind die Mythen des Alltags, deren Zeichencode Roland Barthes in seinen Untersuchungen zu entziffern suchte. Darüber hi-naus entwickelte er die Zeichentheorie des Linguisten Ferdinand de Saussure weiter und stellte die Verkettung von Konsumwelt und Machtverhältnissen dar. Inhalt: Barthes hebt in seinen 19, in den Jahren 1954-56 entstandenen Essays hervor, dass der Wirklichkeit der zeitgenössischen Medien durch Zeichen eine Natürlichkeit verliehen werde, welche die geschichtlichen Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen leugne. So kritisierte er in seinem Text übeT die Pariser Fotoausstellung Die große Familie der Menschen den gesetzten Mythos einer »identischen Natur«, der den verschiedenartigen Völkern auf den Fotos unterstellt wird. Durch die Gleichsetzung der Menschen würde die historische Bedingtheit der gegenwärtigen Situation geleugnet. Mit Beispielen aus allen Lebensbereichen wird dem Leser deutlich gemacht, dass das Schweigen über bestimmte Sachverhalte und die vereinfachende Gleichsetzung komplizierter Phänomene einer Leugnung derselben gleichkommt.
      Anhand des Titelbildes eines Magazins, das einen schwarzen Soldaten in französischer Uniform beim Salutieren vor der Trikolore zeigt, erklärt Barthes die fortwährende Bestätigung und Verteidigung des französischen Kolonialismus durch die Gesellschaft sowie die Tatsache, dass alles zum Mythos werden kann, wenn sich die Gesellschaft diesen Mythos zum Zweck einer bestimmten Botschaft aneignet.
      Um ursprüngliche Zusammenhänge aufzulösen und dem Leser eine neue, unverbrauchte Sehweise zu ermöglichen, die den behandelten Gegenstand schließlich aus dem Bann des Mythos befreit, zieht Barthes in seinen Essays ungewöhnliche Vergleiche. Das Zeichensystem des Autos setzt er mit dem der großen gotischen Kathedralen gleich, aus Plastik wird bei ihm eine alchimistische Substanz.
      In einem Essay widmet er sich dem Gesicht der Garbo, in einem anderen den »eigensinnigen Haarfransen«, die Die Römer im Film als Zeichen ihreT Herkunft tragen. Neben den Haarfransen sei das unaufhörliche Schwitzen des »römischen Volkes« ein »bastardhaftes Zeichen« für die »Intensität seiner Erregung und die rohe Natur seines Standes«. Mit solchen Beispielen zeigt Barthes, wie die Zeichen der Alltagsmedien übertreiben und zugleich doch ergänzungsbedürftig sind.
      Wirkung: Barthes hat es mit seiner humorvollen Analyse populärer »Mythen« geschafft, die Grenze zwischen Hoch- und Massenkultur zu durchbrechen sowie eine breite Leserschaft für sich zu gewinnen. Die von ihm entwickelte Zeichentheorie hat internationale Anerkennung gefunden. Wissenschaftler und Schriftsteller wie Umberto -> Eco und der US-amerikanische
KörperzeichenanafytikeT MaTkus Greil wurden durch seine Schriften beeinflusst. Bar-thes regte die Erforschung der Volkskultur in den europäischen und US-amerikanischen Kulturwissenschaften entscheidend an.
      Der Mythos bei Roland Barthes
Begriff: Roland Barthes wandte den Begriff des Mythos als einer der ersten Wissenschaftler auf Phänomene der Volkskultur an und enthob ihn hiermit aus dem Bereich der Altertumsforschung und Altphilologie. Für Barthes ist der Mythos eine Aussage oder ein Mitteilungssystem, das etwas bezeichnet und anzeigt. Insofern gehört er als ein System von Zeichen/Werten in die Se-miologie. Jedoch sucht der Mythos den Verbraucher davon zu überzeugen, dass er ein System von unabänderlichen Fakten darstelle.
      Verbreitung: Das Verbreitungssystem der Mythen sind die Medien, aber auch die in-dividuelle sprachliche Kommunikation.Da jede Sprache auf einem zum Teil vorgefertigten System beruht, ist es schwierig, eine mythenfreie Sprache zu finden. Nur die Dichtkunst lehne sich gegen den Mythos auf, da sie sich auf die Suche nach dem nicht entfremdbaren Sinn der Dinge begibt. Zweck: Barthes sieht den Zweck der Mythen darin, die Welt unbeweglich zu machen und die Hierarchie des Besitzes festzulegen. Er ruft den Leser dazu auf, dieses statische Weltbild in die Hand zu nehmen und zu verändern. Als einzige »Waffe gegen den Mythos« schlägt Barthes vor, »ihn selbst zu mystifizieren, das heißt einen künstlichen Mythos zu schaffen«.
     


Roland barthes' nietzscheanische Ästhetik des signifikanten

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Barthes, roland

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