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Barnet, Miguel - Leben und Biographie



Miguel Barnet, der zu den bekanntesten Romanciers Kubas zählt, gilt als einer der Erneuerer der lateinamerikanischen Literatur. Mit seinem Hauptwerk Der Cimarrön schuf er eine neue Prosaform, den Augenzeugenroman.
      Barnet studierte Ethnologie und Sozialwissenschaften in Havanna. Bereits während seines Studiums veröffentlichte er ethnografische Schriften sowie zwei Gedichtsammlungen . Nach seinem Examen arbeitete er als Universitätsdozent sowie als Redakteur und Lektor bei verschiedenen Zeitschriften und Verlagen. In dieser Zeit machte er sich einen Namen als fundierter Kritiker der kubanischen Kulturpolitik. Zahlreiche Reisen führten ihn u.a. in die UdSSR und die USA.
      1967 erschien Barnets Gedichtband Die heilige Familie. Internationales Aufsehen erregte sein zwei Jahre später veröffentlichter Augenzeugenroman Der Cimarrön. Zu Beginn der 1970er Jahre wurde der Autor wegen seines Romans Das Lied der Rachel und seiner zu dieser Zeit bekannt gewordenen Homosexualität von Parteidogmatikern angefeindet und vorübergehend mit Schreibverbot belegt. Man warf Barnet vor, der Roman sei pornografisch und ideologischbedenklich.
      1994 gründete Barnet eine ethnologische Stiftung für die Erforschung des multikulturellen kubanischen Erbes, deren Leitung er selbst übernahm. Zwei Jahre später wurde er zum UNESCO-Gesandten und Mitglied des Exekutivrats im kubanischen Außenministerium berufen.
      Der Cimarron
Mit seinem dokumentarischen Roman Der Cimarron gelang Miguel Barnet die Verschmelzung von Ethnologie und Poesie. Das Werk basiert auf den Erinnerungen eines rund 100-jährigen Zeitzeugen, der seine persönliche Sicht der kubanischen Geschichte erzählt. Entstehung: Zusammen mit einer Gruppe von Ethnologen suchte Barnet 1963 nach Zeugnissen afrikanischer Religion in Kuba. Dabei stieß eT auf den ehemaligen Cimarron Esteban Monte-jo, dessen umfangreiche und auf Tonband aufgezeichnete Lebensgeschichte die Grundlage des Romans bildete. Das daraus entstandene Werk bewegt sich auf der Grenze von Fiktion, Ethnografie und Geschichtsschreibung. Inhalt: Anonym gezeugt, geboren und verkauft arbeitet Esteban auf verschiedenen Plantagen, haust in verlausten Baracken und leidet unter den sadistischen Strafen der Aufseher. Als sich die Gelegenheit bietet, flieht er in den Urwald, wo er dank seines animistisch geprägten Glaubens afrikanischen Ursprungs jahrelang in Harmonie mit der Natur lebt. Nur mit einer Machete bewaffnet, schützt er sich vor Sklavenjägern und verräterischen Kumpanen.
      Als er von der Abschaffung der Sklaverei erfährt, verlässt er den Urwald, doch das Leben, das ihn erwartet, unterscheidet sich wenig von seiner früheren Sklavenexistenz. Im Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien schließt er sich den Anführern Maceo und Mäximo Gömez an und nimmt an der siegreichen Schlacht von Mal Tiempo teil. Er will sich nicht damit abfinden, dass sich die Amerikaner einmischen und nach Erringung der Unabhängigkeit nicht mehT weichen wollen. Aufbau: Um den Sprachduktus des Erzählenden zu erhalten, behielt Barnet die Ich-Form deT Tonbandaufzeichnung bei. Bei der Niederschrift strukturierte er den Text, korrigierte historische Unstimmigkeiten und ergänzte Detailinformationen. Neuere Forschungsarbeiten über das Werk belegen, dass Barnet den Bericht seines Informanten durch inhaltliche Eingriffe weit stärker eigenen ästhetischen und ge-schichtstheoretischen Prämissen unterwarf als zuvor angenommen.
      Wirkung: Sein Roman brachte Barnet weltweite Anerkennung als Schriftsteller. Der Augenzeugenroman, dessen Charakteristika Barnet 1983 in einem Essay auch theoretisch festlegte, fand in der lateinamerikanischen Literatur großen Zuspruch. Eine Vertonung erfuhr Der Cimarron 1970 durch Hans Werner Henze .
      Die wichtigsten Bücher von Miguel Barnet
DerCimarrän 1966 Der entflohene Sklave Esteban Montejo erzählt im hohen Alter zurückblickend sein Leben: von der Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen, vom Ãoberleben im Urwald, von afrikanischen Mythen und Riten sowie vom Unabhängigkeitskrieg.
      Das Lied derRachel 1969 Rachel, einst gefeierte Sängerin und Tänzerin, lässtin ihren Lebens-erinnerungen die mondäne Halbwelt der 1920er und 1930er Jahre Wiederaufleben.
      Alle träumten von Kuba 1981 Der 19l6vonGalicien nach Kuba emigrierte Manuel Ruiz mussauf seiner Trauminsel als Lastenträger und Kohleverkäufer schuften. Aus Heimweh geht er zurück nach Spanien, wo er den Bürgerkrieg erlebt. Er flieht erneut nach Kuba.
      Ein Kubaner in New York 1984 Derschwarze Einwanderer Julian Mesa aus Kuba scheitert bei dem Versuch, in der US-Gesellschaft Fuß zu fassen, ganz im Gegensatz zu seiner Tochter.
      Das Handwerk des Engels 1989 In dem autobiografisch geprägten Roman schildert Barnet die Lebensgeschichte des Jungen Angel und zeichnet ein Bild von Havanna in den 1940er und 1950er Jahren, der Diktatur Batistas sowie der Revolution von Fidel Castro und Che Guevara.
     


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