Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Baricco, Alessandro

Baricco, Alessandro - Leben und Biographie



Alessandro Baricco gehört seit den frühen 1990er Jahren zu den erfolgreichsten Schriftstellern Italiens. Seine Romane Land aus Glas , Oceano Mare , A/o/ecenfo, Seide und City wurden zu internationalen Bestsellern.
      Nachdem er sein Studium in Turin mit einer Arbeit über Philosophie und Musik abgeschlossen hatte, arbeitete Baricco zunächst als Musikkritiker und Kulturjournalist für La Stampa und La Repubblica. Nach Radiosendungen moderierte er bald die Literaturshow »Pickwick« im italienischen Fernsehen. Mittlerweile ist der medial allseitig routinierte Baricco eine »Institution« im literarischen Turin. Dort hat er 1994 eine Erzählerschule gegründet, die nach Holden, dem lernfaulen Protagonisten aus dem Roman Der Fänger im Roggen von J. D. -»Salinger, benannt ist. In verschiedenen Sektionen werden die Erzähltechniken des Romans, Comics, Filmdrehbuchs oder der Werbung eingeübt. Zum kleinen »Baricco-Imperium« gehört neben »Holden Libri«, einer der originellsten Turiner Buchhandlungen, außerdem die Buchreihe »Holden Maps«, in der vornehmlich Essays und Handbücher zur Orientierung auf dem Feld diverser Erzählformen publiziert werden.
      Novecento
Alessandro Bariccos Legende vom Ozeanpianisten mit dem eigentümlichen Namen Novecento schwebt zwischen romanhafter Erzählung und szenischem Monolog.
      Entstehung: Ursprünglich hatte Baricco seinen Text als Theater-Monolog für den Schauspieler Eugenio Allegri und den Regisseur Gabriele Vacis verfasst. Das Ein-Mann-Stück wurde zuerst im Juli 1994 bei einem Festival in Asti aufgeführt. Erst danach entstand die Buch-Fassung, die für den Autor das »Gleichgewicht hält« zwischen einer »tatsächlichen Inszenierung« und einer »Erzählung, die laut zu lesen ist«.
      Inhalt: Die »Virginian« ist ein luxuriöser Ozeandampfer, der zwischen Alter und Neuer Welt hin- und herpendelt. Im Jahr 1900 wird auf dem Klavier im Ballsaal erster Klasse ein Baby gefunden, das offenbar von Auswanderern nach Amerika ausgesetzt wurde. Der Matrose Danny Boodman zieht das Kind im Maschinenraum groß und gibt ihm den Namen Novecento . Als sein Ziehvater stirbt, entpuppt sich Novecento als genialer Musiker, der fortan als Pianist der Bordkapelle zu einer Legende wird. Als hätte er vier Hände, spielt er seine Musik, in der »alle Melodien der Welt« auf einmal enthalten sind. Sowohl die Tanzpartys der Reichen als auch die unter Deck zusammengepferchten Armen - beide Gruppen, die iher Träume von Amerika verbinden, werden farbenprächtig geschildert - bekommen ihn zu hören. Doch in der offiziellen Welt existiert No-vecento gar nicht; er hat weder Wohnsitz noch Geburtsdatum, Familie oder Heimat. Nie ver-lässt er das Schiff, auf dem er geboren wurde - nicht einmal für wenige Minuten. Dennoch scheint er das Festland bis in seine Einzelheiten zu kennen. Mit einem sensiblen Gespür nimmt er die Erzählungen, Gerüche und Blicke der Reisenden auf und setzt sie in Musik um.
      Novecento wird so zur Metapher für die Lebensreise und Heimatlosigkeit des modernen Menschen. Vor allem aber zeichnet der Text ein poetisches Bild des Künstlers in seiner Weltangst. Auch als die »Virginian« im Zweiten Weltkrieg zum Lazarettschiff umgerüstet wird und anschließend verschrottet werden soll, hält Novecento ihr die Treue. Erst am Ende des Romans erfährt man, warum er nie von Bord gegangen ist: Im Unterschied zum Mikrokosmos seines Klaviers mit den 88 Tasten schien ihm die vielfältige Welt in ihrer Unendlichkeit Furcht einflößend; dieser äußeren zog er seine innere Unendlichkeit vor.
      Aufbau: Die Geschichte wird von einem Freund Novecentos vorgetragen. Als Trompeter hatte er gemeinsam mit ihm zwischen 1927 und 1933 auf der »Virginian« musiziert. Er erzählt aus der Rückschau, wie Novecento gefunden wurde und zur bewunderten Legende aufstieg. Nach dem Krieg, als der Trompeter von der geplanten Sprengung des Schiffs erfährt, kehrt er zurück, um seinen Freund zu suchen. In der letzten Szene sitzt der Ozeanpianist auf einem Pulver-fass, mit dem das heruntergekommene Schiff versenkt werden soll. Durch Regieanweisungen zeigt Baricco an, welche Musik die einzelnen Textpassagen begleiten soll. Wirkung: Novecento ist an mehreren europäischen Bühnen aufgeführt worden. Zu seiner internationalen Bekanntheit hat jedoch vor allem die Verfilmung des Stoffs durch Giuseppe Tor-natore von 1999 beigetragen ; allerdings zog sich der Film die Kritik zu, den Text von Baricco in ein geradezu kitschiges Fin-de-Siecle-Melodrama verwandelt zu haben.
     


 Tags:
Baricco,  Alessandro    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com