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Balzac, Honore de - Leben und Biographie



Honore de Balzac ist der Begründer des Realismus im französischen Roman. Kennzeichnend dafür sind die detaillierten Beschreibungen unterschiedlichster Charaktere und ihrer Milieus sowie die Darstellung der zahlreichen Grundformen menschlichen Verhaltens. In seinem 91 Romane und Erzählungen umfassenden Zyklus Die menschliche Komödie , als Gegenstück zu -» Dante Alighieris Die göttliche Ko-mödie gedacht, schildert Balzac das gesamte Spektrum der Gesellschaft zur Zeit der Französischen Revolution, des na-poleonischen Kaiserreichs und der Restaurations-Ã"ra .
      Ab 1807 besuchte Balzac die Schule des Ora-torianer-Ordens in Vendome und begann 1817 in Paris ein Jurastudium, das er bald abbrach, um sein Glück als Besitzer einer kleinen Drucke-rei zu versuchen. Durch den Bankrott seines Unternehmens verschuldete er sich bis ans Lebensende.
      Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er mit Kolportageromanen, die er in den 1820er Jahren unter Pseudonym herausbrachte. 1829 ließ er erstmals ein Buch unter seinem eigenen Namen erscheinen. Mit dem Roman Der letzte Chouan, der die Royalistanaufstände in der Bretagne von 1799/1800 zum Thema hat, begann die Erfolgsserie seiner großen Gesellschaftsromane, die er in manischer Fronarbeit vcrfass-te. Dabei ruinierte Balzac zwar seine Gesundheit, vernachlässigte hingegen nie seinen strikt realistischen Erzählstil, der für die nächsten Schriftstellergenerationen weit bis ins 20. Jahrhundert hinein zum Vorbild wurde.
      Ein Jahr vor seinem Tod heiratete Balzac die polnische Gräfin Evelina Hanska, mit der er zuvor 18 Jahre lang einen intensiven Briefwechsel geführt hatte.
Die wichtigsten Bücher von Honore de Balzac
Die menschliche Komödie 1829-50 Für Die menschliche Komödie, ein umfangreiches Gesellschaftsporträt, plante Balzac 137 Romane, von denen die beiden ersten Bände 1830 erschienen. Als Balzac starb, hatte er 91 Romane und Novellen vollendet, in denen rund 3000 Personen auftreten.
      Das Chagrinleder 1831 Raphael de Valentin verspielt sein Geld, will Selbstmord begehen und gerät an ein Amulett, das ihm Reichtum verschafft
Die Frau von dreißig Jahren, 1831-34 Die intelligente und schöne Julie d'Aiglemont begeht Ehebruch, ihre Tochter einen Geschwistermord.
      Tolldreiste Geschichten, 1832-53 Balzacs erfolgreichstes Werk: pikante Erzählungen im Stil des Francois-> Rabelais, »gesammelt in den Abteien derTouraine«.
      Oberst Chabert 1832 Das Schicksal eines angeblich im Krieg gefallenen Obersts, der nach Paris zurückkehrt und seine Identität zu beweisen versucht, aber nicht in die Gesellschaft zurückfindet.
      Eugenie Grandet 1834 Mit ihren Ersparnissen unterstützt Eugenie ihren Geliebten Charles, dem sie während seiner jahrelangen Abwesenheit treu bleibt. Als er zurückkommt, will er nichts mehr von ihr wissen.
      Vater Goriot 1834/35 Vater Goriot verliert sein Vermögen an seine habgierigen Töchter, die noch den letzten Francaus ihm herauspressen.
      Verlorene Illusionen 1837-44 DerVersuch des Provinzlers Lucien de Rubempre, in der feinen Pariser Gesellschaft als Poet zu reüssieren, scheitert, worauf er einen »Teufelspakt« eingeht.
      Cäsar Birotteau 1838 Birotteau, Besitzereines Parfümerieladens, glaubt an die Redlichkeit des Geschäftslebens und wird durch die Intrigen eines ehemaligen Angestellten in den Bankrott getrieben.
      Glanz und Elend derKurtisanen 1839-43 Lucien de Rubempre gewinnt in Paris Einfluss in höchsten Kreisen, für den er jedoch am Ende bitter bezahlen muss. Er begeht in einer Gefängniszelle Selbstmord.
      DasAntiquitäten-kabinett 1839 Ein feiner Marquis unterhält einen Salon im altmodischen Stil, der von zahlreichen Adligen seiner Generation besucht wird, bis sie schließlich zum Gespött der übrigen Gesellschaft werden.
      Der Landpfarrer 1839 Veronique ändert ihr bisheriges Leben und begibt sich in die Obhut des Abbe Bonnet, als sie erfährt, dass der uneheliche Vater ihres Sohnes hingerichtet worden ist.
      Vetter Pons oder Die beiden Musiker 1847 Der Musiker Pons besitzt eine beträchtliche Sammlung Kunstgegenstände. Erbschleicher führen seinen Tod herbei. Auch der rechtmäßige Erbe vermag gegen sie nichts auszurichten.
      Vater Goriot
In dem Roman Vater Goriot, der in Die menschliehe Komödie 1843 als neunter Band erschien, stellt Honore de Balzac die menschlichen Triebkräfte und Ã"ngste seiner Zeit, den gesellschaftlichen Kampf um Geld und Macht, dar. Inhalt: In der heruntergekommenen Pension von Madame Vauquer logieren im Restaurationsjahr 1819 der ehemals wohlhabende, aus dem Kleinbürgertum stammende Nudelfabri-kant Goriot, der ambitionierte, aber mittellose Jurastudent Rastignac sowie der entlassene Häftling Vautrin. Rastignac interessiert sich für Goriots Töchter Anastasie, Gräfin de Restaud, und Delphine, eine mit einem Bankier verheiratete Baronin. Um ihnen ein luxuriöses Leben in der feinen Gesellschaft zu ermöglichen und sich ihre Liebe zu sichern, hat Goriot sein Vermögen geopfert.
      Rastignac geht eine Liaison mit Delphine ein und findet dadurch Zugang zu den höheren Gesellschaft. Gleichzeitig erlebt er, wie die habgierigen Schwestern ihren Vater systematisch tiefer in die Armut stürzen, indem sie die letzten Wertgegenstände aus ihm herauspressen. Selbst in seiner Sterbestunde ruft Goriot noch nach seinen »beiden Engeln«, die er gleichermaßen verherrlicht wie verdammt. Aufbau: Die breite Schilderung des Milieus und der Personen nehmen ca. ein Drittel des Romans ein. Balzac wendet in dem Roman erstmals die Technik der »wiederkehrenden Personen« an . Die Hauptfiguren stehen für die zentralen Themen des Romans. Goriot wird, auf dem Tiefpunkt seines Lebens angelangt, zu einer märtyrerhaften Vaterfigur - eine Abwandlung von William -» Shakespeares König Lear . Nach Goriots Tod ist Rastignac zum bedenkenlosen Kampf um Macht, Ansehen und Erfolg entschlossen. Vautrin repräsentiert das Rebellische, eine gehässige Intelligenz, die als Gegenentwurf zu Goriots Leichtgläubigkeit konzipiert ist. Die beengte Atmosphäre des Kleinbürgerlichen steht einer ebenso festgefahrenen Welt gegenüber: der moralisch verkommenen Aristokratie.
      Wirkung: Obwohl Vater Goriot zu den populärsten Romanen Balzacs gehört, zählt er für die Literaturkritik erst seit den 1930er Jahren eindeutig zum »Realismus«. Das Sittengemälde aus dem Leben der unterprivilegierten Schichten inspirierte andere Schriftsteller des 19. Jahrhunderts zu großen Romanen über das miserable Dasein »Erniedrigter und Beleidigter« .
Verlorene Illusionen
Der Roman Verlorene lllusionen,on Honore de Balzac den »Szenen aus dem Provinzleben« innerhalb des Zyklus Die menschliche Komödie zugeordnet, erschien in drei Teilen: Zwei Poeten , Ein großer Mann aus der Provinz in Paris sowie Eva undDavid. Die Macht des Geldes, das Streben nach Liebe, Ruhm und sozialem Aufstieg in Paris, der Metropole der Verheißung, sind seine zentralen Themen. Inhalt: Der ehrgeizige Dichter Luden de Ru-bempre, der sich mit dem ehemaligen Adelstitel seiner Mutter schmückt, um in den vornehmen Kreisen verkehren zu können, kommt 1821 aus deT Provinzstadt Angouleme nach Paris, um sein Glück zu machen. Dort als Dichter wie auch in den von ihm besuchten Gesellschaftskreisen erfolglos, begegnet er dem Journalisten Lous-teau, der ihn in die für Luden faszinierende Intrigenwelt der Pariser Presse einführt. Es gelingt Lucien, ein einflussreicher Journalist zu werden, er überschätzt jedoch bald seinen Erfolg. Seine Geliebte, die Schauspielerin Coralie, zerbricht an den Machenschaften ihrer Rivalinnen am Theater und stirbt. Lucien, der sein schnell gewonnenes Vermögen verspielt hat, kehrt verarmt nach Angouleme zurück. Dort beschleunigt er durch seine Ungeschicklichkeit den finanziellen Ruin seines Schwagers David, eines Buchdruckers, und seiner Schwester Eva. David wird verhaftet und muss daraufhin die Rechte an einer erfolgversprechenden Erfindung verkaufen.
      Als sich Lucien verzweifelt das Leben nehmen will, begegnet ihm der angebliche spanische Priester Carios Herrera, der ihm das Geld für Davids Auslösung schenkt und ihn unter seiner Anleitung zur Rückkehr nach Paris treibt. Lu-ciens weiteren Werdegang schildert Balzac in Glanz und Elend der Kurtisanen . Wirkung: Balzac hat mit Verlorene Illusionen einen Desillusionsroman geschrieben, der auto-biograiische Züge aufweist. In einer Widmung an Victor -> Hugo nennt ihn der Autor selbst »eine mutige Handlung und zugleich eine Geschichte voller Wahrheit«. Lucien gelangt durch seine Erfahrungen zu der bitteren Erkenntnis, dass es neuer, nicht mit Moralvorstellungen in Einklang stehender Mittel bedarf, um in einer veränderten Welt zu bestehen. Der Verführer in Gestalt des Carlos Herrera -deralsVautrin auch in Vater Goriot und als Collin in Glanz und Elend der Kurtisanen auftritt - vermittelt ihm die Erkenntnis, dass es den stärksten und skrupellosesten Naturen vorbehalten ist, Paris, den zentralen Ort aller menschlichen Leidenschaften, zu erobern.
      Glanz und Elend der Kurtisanen
In Glanz und Elend der Kurtisanen, der Fortsetzung des Romans Verlorene Illusionen, zeigt Balzac die Konvenlionen der zeitgenössischen Gesellschaftsschichten am deutlichsten. Zugleich übt er scharfe Kritik am aufstrebenden Bürgertum. Rund 1 3 Jahre arbeitete Balzac an dem Roman. Die ersten Notizen reichen bis ins Jahr 1835 zurück, die geplante Fortführung blieb jedoch unvollendet. Inhalt: Der nach Paris zurückgekehrte Lucien de Rubempre gewinnt das Vertrauen der Gesellschaft, verkehrt in den höheren Kreisen und beabsichtigt, Clothilde von Grandlieu zu heiraten. In diesem Fall könnte er einen Posten als Botschafter bekleiden und den Titel eines Marquis tragen. Anstifter dieses Glücks ist Jacques Collin alias Carlos Herrera, angeblich ein spanischer Abbe, tatsächlich jedoch ein Krimineller, der sich auch der Namen Vautrin und Trompe-la-Mort bedient. Mit ihm hatte Lucien einst einen Bund geschlossen, in dem er für die Erfüllung all seiner Träume seine Seele verpfändete.
      Der Baron von Nucingen, ein vermögender Bankier aus Paris, verliebt sich in die Kurtisane Esther, diejedoch ein Verhältnis mit Lucien unterhält. Collin nutzt diese Konstellationen, um Nucingen zu erpressen, da Lucien für seine Heirat mit Clothilde Geld benötigt. Die Geheimpolizei entdeckt das Komplott der Verschwörer und Lucien verübt Selbstmord. Die Kurtisane, die von Nucingen ein Palais geschenkt bekam,zerbricht daran, wieder ihr früheres Leben führen zu müssen, und vergiftet sich. Als Collin vom Tod Luciens erfährt, stellt er sich in den Dienst der Justiz, um den Kampf gegen die korrupte Gesellschaft voranzutreiben. Er überfuhrt den Chef der Sicherheitspolizei eines Verbrechens und wird dessen Nachfolger. Wirkung: Glanz und Elend der Kurtisanen porträtiert eingehend den Verfall der Gesellschaft und macht Balzacs Welt- und Menschenbild deutlich: Mit seiner detaillierten Schilderung der Pariser Unterwelt gelingt Balzac eine soziologische Studie über kleine und große Kriminelle sowie die Methoden von Polizei und Justiz. Der Roman lebt von zahlreichen, oft abrupten Umbrüchen: Glück/Unglück, Hoffnung/Enttäuschung, Liebe/Gewalt. Theodor W, ^Adorno erkannte das Prinzip, dass sich bei Balzac oftmals die Bürger als die eigentlichen Verbrecher herausstellen, während die Verfemten humaner gesinnt sind, »fähig zur großen Passion und zur Selbstaufopferung«.


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