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Baldwin, James - Leben und Biographie



Die Situation der Schwarzen in den USA, das Leben als Homosexueller und die aus der doppelten Diskriminierung erwachsende Einsamkeit, die in seinen Romanen oft als hoffnungslose, zum Scheitern verurteilte Suche nach Liebe Niederschlag findet, sind die zentralen literarischen Themen von James Baldwin.
      Der Sohn eines Arbeiters und Baptistenpredigers engagierte sich aktiv in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und zählte bald zu deren meistgelesenen Wortführern. Schon an seiner High School, die er 1942 abschloss, hatte Baldwin eine Literaturzeitschrift herausgegeben; auch in den folgenden Jahren, während denen er als Gelegenheitsarbeiter zum Unterhalt der Familie beitrug, verfolgte er das Ziel, Schriftsteller zu werden und schrieb zunächst für Zeitungen. 1945 wurde er von Richard Wright , dem Vorbild einer ganzen Generation schwarzer Autoren, entdeckt; er wurde Baldwins Mentor und verhalf ihm zu einem Stipendium. Baldwin setzte sich jedoch von der Protestliteratur der Wright-Schule ab und postulierte die individuelle Befreiung als Zukunftschance des schwarzen Amerika.
      Nach der Ermordungvon Malcolm X und Martin Luther King emigrierte Baldwin 1970 nach Frankreich, wo er bereits 1948-58 gelebt hatte. Der auch beim weißen Publikum populärste schwarze Romancier der 1960er Jahre schrieb außerdem Essays , Dramen [Amen Corner, 1954; Blues für Mr. Charly, 1964), Erzählungen und Gedichte . Biografie:C.W. Sylvander, JamesBaldwin, 1980.
      Gehe hin und verkünde es vom Berge
In seinem ersten, stark autobiografisch geprägten Roman, dessen Titel einem bekannten Gos-pel-Song entstammt, schildert James Baldwin die Familie des Laienpredigers Gabriel Grimes bei einem Gottesdienst. Der Roman spielt an einem einzigen Tag des Jahres 1935 in Harlem, zeichnet in Rückblenden jedoch den Leidensweg der Familie über drei Generationen nach. Inhalt: Erinnerungen führen die drei Hauptfiguren Gabriel, Florence und Elisabeth wäh rend ihrer Gebete an verschiedene Stationen ihrer Biografien zurück. Florence, Tochter einer ehemaligen Sklavin, verlässt das Haus der kranken Mutter im Süden, in dem sich alles nur um ihren jüngeren Bruder Gabriel dreht, um in Harlem ihr eigenes Leben zu leben. Gabriel, ein Herumtreiber, findet schließlich den Weg zu Gott und heiratet die Nachbarstochter Deborah. Immer wieder jedoch »erwacht der Mann in ihm«: Gabriel betrügt Deborah mit der jüngeren Esther, die schwanger wird; der uneheliche Sohn, den Gabriel liebt und für den er gleichzeitig Schuld empfindet, wird später erstochen.
      Nach Deborahs Tod zieht auch Gabriel nach Harlem. Er lernt durch Florence, zu der er 20 Jahre lang keinen Kontakt mehr hatte, Elisabeth kennen und heiratet sie. Von Richard, der sich das Leben nahm, nachdem er wegen eines nicht begangenen Diebstahls ins Gefängnis gekommen war, hat Elisabeth den unehelich gezeugten Sohn John. Der wird nun für Gabriel zu einer ständigen Erinnerung an dessen »Blutschuld« und dafür von ihm gehasst. Florence weiß als Einzige von der Verfehlung ihres Bruders und droht, sich für dessen Tyrannei, aber auch für die eigene verlorene Jugend zu rächen. Aufbau: Den Hauptteil des Romans bilden die Gebete von Florence, Gabriel und Elisabeth, in die ihre Erinnerungen und Selbstreflexionen eingeflochten sind; sie verbinden sich zur Schicksalsgeschichte der Familie und ihres Weges vom Süden ins New Yorker Schwarzen-getto Harlem. Die Anrufungen, in deren Rhythmus die ekstatische Atmosphäre des Gottesdienstes widerscheint, sind in zwei weitere Kapitel eingebettet; im ersten werden die Protagonisten vorgestellt, im letzten erfährt Gabriels Stiefsohn John seine Erweckung. Wirkung: Vielen Kritikern gilt Gehe hin und verkünde es vom Berge als Baldwins bestes Werk, wenn auch der militante soziologische Realismus seiner späteren Romane von größerem Einfluss auf andere Autoten war.
      Die wichtigsten Bücher von James Baldwin
Gehe hin und verkünde es vom Berge 1953 Die Schicksalslinien dreier Generationen werden in der Geschichte einer schwarzen Familie verfolgt, in deren Mitte der fanatische Prediger Gabriel steht.
      Giovannis Zimmer 1956 Der weiße Amerikaner David erliegt in Paris der Anziehung des jungen Italieners Giovanni, bringt aber nicht den Mut auf, zu seiner Liebe zu stehen.
      Eine andere Welt 1962 Ein Jahr im Leben von sieben jungen Menschen, im New York der späten 1950er Jahre: Jeder von ihnen ist einsam und stürzt sich in die Arme eines anderen Einsamen.
      Sag mir, wie lange ist der Zug schon fort 1968 Leo Proudhammer blickt zurück auf ein Leben zwischen Schwarzen und Weißen, Männern und Frauen, Liebe und Hass, der Kindheit als »Negerjunge« und seinem Weg zum Star.
      Beale Street Blues 1974 Der junge Fonny gerät unschuldig ins Gefängnis und kann seine schwangere Geliebte Tish nur durch eine Glaswand sehen.
      Zum Greifen nah 1978 Eine schwarze Familiensaga vor dem Hintergrund der Straßenschlachten und Friedensmärsche der Bürgerrechtsbewegung, der Betsäle und Soulmusik.

     
Hauptfiguren in »Gehe hin und verkünde es vom Berge« von J. Baldwin

Gabriel Grimes: Das 55-jährige Familienoberhaupt war einmal ein bekannter Prediger in den amerikanischen Siidstaaten. Gabriel arbeitet nun in Harlem in einer Fabrik und ist Kirchendiener im »Tempel der Feuergetauften«, wo er den Gottesdienst für Jugendliche leitet. Von seiner Familie wird er gefürchtet; er ist streng, rigide, von bigotter Frömmigkeit und erfüllt von fanatischem Hass auf die Weißen. Elisabeth: Gabriels 34-jährige, fatalistische und duldsame Frau wuchs nach dem frühen Tod ihrer Mutter getrennt vom Vater bei einer Tante in Maryland auf, zog dann nach Harlem und heiratete nach dem Selbstmord ihres unschuldig verhafteten Geliebten Richard Gabriel. Sie ist die Mutter des unehelich mit Richard gezeugten John und hat drei Kinder mit Gabriel. John: Der 14-Jährige ist der Stiefsohn von Gabriel, das uneheliche Kind von Elisabeth und Richard. Er lehnt sich gegen seinen Stiefvater auf, der ihn hasst, weil er nichtder leibliche Sohn ist, der ihm »von Gott versprochen« wurde. John fühlt sich in der Familie als Verstoßener. An seinem 14. Geburtstag erfährt er seine Erweckung. Roy: Der Sohn von Gabriel und Elisabeth ist der Liebling des Vaters, obwohl er ein Herumtreiber ist, in Schlägereien verwickelt wird und den Mädchen nachstellt. Sarah: Die Tochter von Gabriel und Elisabeth und jüngere Schwester Roys plappert viel und macht sich gern wichtig. Ruth: Die jüngste Tochter von Gabriel und Elisabeth ist noch ein Baby. Florence: Gabriels 61-jährige ältere Schwester kam im Jahr 1900 aus dem Süden nach Harlem. Sie war mit dem Bluessänger Frank verheiratet, der sie bereits vor 20 Jahren nach zehnjähriger Ehe verlassen hat. Florence wehrt sich gegen den Haustyrannen Gabriel und will ihn, der andere wegen ihrer vermeintlichen Verfehlungen geißelt, für seine eigenen Sünden büßen lassen.

     
Giovannis Zimmer
Nach seinem afroamerikanischen Debütwerk Gehe hin und verkünde es vom Berge mächte James Baldwin in seinem zweiten, kurzen Roman die Homosexualität zum Thema. Baldwin hat sich hier auf weiße Protagonisten, Frankreich als Schauplatz und ein anderes Mi-lieu verlegt, doch beschäftigt ihn das gleiche Thema wie in seinem ersten Roman: das Schicksal der »schuldlos Ausgestoßenen« .
      Aufbau: Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Der erste nimmt bereits zu Beginn das Ende der Handlung vorweg und zeigt den jungen Amerikaner David unmittelbar vor seiner Abreise aus Frankreich; daran anschließend wird erzählt, wie er in Paris Giovanni kennen lernt und sich verliebt. In der zweiten Hälfte wird die langsame Zerrüttung der Beziehung zwischen den beiden Männern geschildert, die Giovanni in den Abgrund stürzt.
      Inhalt: Davids erstes sexuelles Erlebnis war eine Liebesnacht mit einem Klassenkameraden noch während seiner Schulzeit in Brooklyn; irritiert und aus Angst vor der Reaktion der Eltern brach er den Kontakt zu ihm ab.
      Jahre später, er ist nun Mitte 20, lernt David in Paris Hella kennen und will sie heiraten. Sie spürt jedoch seine Unentschlossenheit und reist für mehrere Monate nach Spanien, um nachzudenken. Während dieser Zeit begegnet David Giovanni, Barmann in einer von Guillaume geführten Schwulenkneipe, verliebt sich in den »dunkelhaarigen, löwenhaften« Jungen und zieht mit ihm zusammen in dessen »beängstigend kleine Dienstmädchenkammer« am Stadtrand. Wenig später kündigt Guillaume Giovanni aus Eifersucht den Job. Doch auch David beginnt sich von Giovanni zu lösen; er vertraut dessen Liebe nicht und fürchtet, eines Tages allein zu sein - einer jener einsamen Alten, die im Schutz der Nacht in Guillaumes Bar ein Doppelleben führen und sich doch ständig durch »den Neid und die Begierde« in ihren Blicken verraten. Als Hella aus Spanien zurückkehrt, trennt sich David von Giovanni; der verkommt in seinem Schmerz zusehends, raubt schließlich Guillaume aus und bringt ihn in einer Affekthandlung um.
      Nachdem Hella ihre Funktion erfüllt hat, David von der »verruchten« Liebe zu erlösen, verliert dieser bald wieder das Interesse an ihr. Sie ertappt ihn zufällig bei einem Liebesabenteuer mit einem Matrosen und verlässt ihn. Nun ist David tatsächlich allein, weil er den Mut nicht fand, sich zu seiner Liebe und damit zu sich selbst zu bekennen. Am Morgen vor Giovannis Hinrichtung verlässt er Frankreich und kehrt nach Amerika zurück. Wirkung: Nach Erscheinen von GiovannisZim-mer wurde Baldwin ein rasches Ende seiner literarischen Laufbahn prophezeit: In dieser unverschlüsselten Deutlichkeit war das Thema Homosexualität in der amerikanischen Literatur zuvor kaum behandelt worden. Giovannis Zimmer wurde jedoch ein internationaler Erfolg und Baldwins berühmtestes Werk.


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