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Bachmann, Ingeborg - Leben und Biographie



Mit ihrer intellektuell-abstrakten Gedankenlyrik wurde Ingeborg Bachmann Anfang der 1950er Jahre bekannt. In ihrem vielseitigen Werk verbindet sie meisterhaft sprachliche Präzision und bildschöpferische Intensität. Nach ihrem Tod wurde sie als Vorläuferin und Klassikerin einer »ecriture feminine« neu entdeckt.
      Die Lehrerstochter, aufgewachsen in Kärnten, schloss ihr Philosophiestudium in Innsbruck, Graz und Wien mit einer Dissertation über die Existenzphilosophie von Martin -»Heidegger ab. Der Preis der »Gruppe 47« begründete Bachmanns frühen Ruhm. Sie zog nach Rom und arbeitete als freie Schriftstellerin, u.a. in Paris, München und Berlin. Nebenbei war sie fÃœT Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen tätig. Ihre Beziehungen zu dem Dichter Paul -^Celan und dem Schriftsteller Max -»Frisch spiegeln sich in ihrem Werk. Sie schrieb Gedichte, Romane, Erzählungen, Hörspiele, Libretti und Essays. 1959/60 war sie erste Gastdozentin für Poetik an der Universität Frankfurt am Main. Für ihr Werk erhielt sie 1964 den Georg-Büchner-Preis.
      Anrufung des Großen Bären
Die zweite und letzte Gedichtsammlung Anrufung des Großen Bären begründete zusammen mit dem drei Jahre zuvor erschienenen Lyrikband Die gestundete Zelt Bachmanns Ruhm als eine der wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen der Nachkriegszeit. Ihre als schwer zugänglich geltenden Verse beschreiben traumatische Erfahrungen und entwerfen eine Utopie. Geschichte, literarische Tradition und persönliches Leiden treten in ein SpannungsveThältnis. Entstehung: Die 1956 veröffentlichte Gedichtsammlung enthält zahlreiche Reminiszenzen an Bachmanns Leben in Italien. Besonders die Gedichte des dritten Teils zeugen von einer ambivalenten Faszination für die landschaftlichen und atmosphärischen Eigenarten Italiens, die sich aus der Wahrnehmung der Schönheit des Landes und zugleich einer tiefen Irritation zusammensetzt. Ihrer Italienerfahrung schrieb die Kritik ihre »neu entdeckte Sinnlichkeit« zu, die Liebe und Eros einen großen Raum zugesteht. Inhalt: Trotz der formalen Veränderung knüpft die Autorin inhaltlich an die Gedichte ihres vorhergehenden Bandes Die gestundete Zeit an. In mystisch-märchenhaften Bildern wird die Bedrohung der menschlichen Beziehungen in der gegenwärtigen Welt einer ersehnten Utopie gegenübergestellt, in der Unterdrückung und Ausbeutung abgeschafft sind. Die Verhältnisse der Gegenwart mit ihrer Entfremdung des Individuums werden vorbehaltlos abgelehnt. Als Heilmittel gegen die Entfremdung gelten für Bachmann Natur, Kunst, Religion, Märchen und
Liebe. Die Utopie wird verlagert in den Bereich der Imagination und nicht mehr rational fassbar. Im Zentrum der dichterischen Aussage steht als verbindendes Prinzip die Erfahrung des Sprachverlustes. Der geheime Sinn der Gedichte wird erhellt durch das Wissen der intensiven Auseinandersetzung Bachmanns mit der Sprachphilosophie Ludwig -^Wittgensteins und dem Werk Heideggers.
      Aufbau: Der Band mit insgesaml 41 Gedichten gliedert sich in vier unterschiedlich große Gruppen. Zwei Gedichte bilden jeweils einen eigenen Zyklus: Von einem Land, einem Fluss und den Seen besteht aus 10, Lieder aufder Flucht aus 15 Gedichten. Im Gegensatz zum erslen Lyrikband Bachmanns ist die Form strenger, wenngleich der freie Rhythmus erhalten bleibt. Mehr als die Hälfte der Gedichte ist gereimt. Die Kritik der 1950er Jahre rühmte die schönen Worte der »poesie pure« und sah Gedichte wie DasSpielist aus und Erklär mir, Liebe sowie die titelgebende Anrufung des Großen Bären als beispielhaft für ihr Werk. Die verharmlosende Interpretation ihrer Lyrik übersieht die dunkle Seile ihrer Dichtung, welche die Liebe märchenhaft überhöht und gleichzeitig eine existenzielle Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Ihr liegt die Erfahrung einer geschichtlich bedingten Verstörung zu Grunde, die zunehmende »Sprachlosigkeit« zur Folge hat. Am Ende der LiederaufderFluchtgip-felt die Verzweiflung in tiefe Resignation: »Die Liebe hat einen Triumph und der Tod hat einen,/ die Zeit und die Zeit danach./Wfr haben keinen.« Wirkung: Nach Veröffentlichung ihres zweiten Gedichtbandes bescheinigte die Kritik der Autorin als erster deutschsprachiger Lyrikerin der Nachkriegsgeneration die Fortführung der großen Tradition der literarischen Moderne. Für An-rufung des Großen Bären erhielt Ingeborg Bachmann den Bremer Literaturpreis. Nach diesem Lyrikband veröffentlichte sie nur noch wenige vereinzelte Gedichte.
      Malina
Ingeborg Bachmanns einziger Roman, Auftakt des geplanten Todesarten-Zyklus, offenbart die psychische und physische Zerstörung eines weiblichen Ichs durch das männliche Prinzip. Die fragmentarischen Teile »Der Fall Franza« und »Requiem für Fanny Goldmann« erschienen erst nach dem frühen Tod der Autorin, die 1973 an den Folgen eines Brandunfalls starb. Entstehung: Nach der Trennung von Max Frisch und einem psychischen Zusammenbruch zog Bachmann zunächst nach Berlin und 1965 nach Rom, wo sie weiter an ihrem vermutlich 1962 begonnenen Todesarten-Projekt arbeitete. Ãœber Jahre entwarf sie neue Konzepte für den Zyklus, ohne ein Buch abschließen zu können, und geriet immer mehr unter den Druck der Verleger. 1970, zehn Jahre nach ihrem ersten Prosaband Das dreißigste Jahr, erschien Malina in ihrem neuen Verlag Suhrkamp. Inhalt: Die namenlose Ich-Erzählerin des Romans, eine in Wien lebende bekannte Schriftstellerin, reflektiert und beschreibt ihre Situation als Geliebte zweier Männer. Vordergründig eine Dreiecksgeschichte zwischen Ich-Erzählerin, ihrem Geliebten Ivan und Malina, mit dem sie zusammenlebt, findet das eigentliche Geschehen im Innern der Protagonistin statt. Ihre seelischen Konflikte, ihre Wünsche, Sehnsüchte und Fantasien, ihre Vorstellung von Glück werden eindringlich und beklemmend dargestellt. Im ersten Kapitel Glücklich mit Ivan beschreibt die Erzählerin ihr Verhältnis zu ihrem unerreichbar erscheinenden Geliebten. Malina, der »dritte Mann« aus dem zweiten Kapitel, ist Repräsentant der Vernunft, der die materielle Grundlage ihres Zusammenlebens sichert. Er erscheint als der männliche Teil im Bewusstsein der Erzählerin. Seine Rationalität ist dem weiblichen Ich lebensnotwendig, sie kann jedoch ihre Ansprüche ihm gegenüber nicht geltend machen. Malina wirkt menschlich und gesellschaftlich überlegen. Die Unterdrückung nimmt das weibliche Ich trotz des Wunsches nach Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung ohne Gegenwehrhin.
      Die Traumsequenzen der Ich-Erzählerin im zweiten Kapitels kreisen um ihren Vater. Die Ich-Erzählerin setzt die Herrschaft des Vaters über das Kind mit der Herrschaft des Mannes über die Frau gleich.


Bachmann, ingeborg

Geb. 25.6.1926 in Klagenfurt; gest. 17.10.1973 in Rom Vom schrillen Mißklang einer politischen Katastrophe wurde sie als Elfjährige geweckt. Adolf Hitler ließ Mitte März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschieren und vollzog damit den Anschluß an das Deutsche Reich: »Es hat einen bestimmte .....
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Das unsägliche, leise gesagt: ingeborg bachmann (i926-i973)

Die in Klagenfurt geborene Österreicherin Ingeborg Bachmann hat die Poesie der Nachkriegszeit und darüber hinaus das Nachdenken über den Sinn der Dichtung nachhaltig be-einflusst. Von ihren Versen gingen Impulse aus, die sowohl die deutschsprachige als auch die internationale Literatur des 20. Jahr .....
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Bachmann, ingeborg

Geb. 25. 6. 1926 in Klagenfurt; gest. 17. 10. in Rom Vom schrillen Mißklang einer politischen Katastrophe wurde sie als Elfjährige geweckt. Adolf Hitler ließ Mitte März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschieren und voUzog damit den Anschluß an das Deutsche Reich: »Es hat einen bestimmten .....
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Drewitz, ingeborg

»Damals in den trümmerübersäten Straßen, im Niemandsland der toten Häuser, der ersoffenen S-Bahn-Schächte, der Volkssturmkolonnen, die in die Lager getrieben wurden,... die entsetzliche Wahrheit der Ermordung der Juden und der Brutalität der nazistischen Kriegsführung... der Wunsch, nein, der Zwang .....
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Bachmann, ingeborg

Ängste Bothner, Susanne. In: Der janusköpfige Tod, 1986, S. 103-116. Alle Tage Kügler, Hans. In: Literatur / Kommunikation, 1975, S. 165- 173. Fleischer, Wolfgang Johannes. In: Interpretationen zu Ingeborg Bachmann, 1976, S. 58 - 73. Höller, Hans. In: Literatur und Kritik 12, 1977, S. 299 - .....
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Drewitz, ingeborg

Ostern May, Dieter. In: Weihnachten und Ostern, 1986, S. 154- 157. .....
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Reklame - ingeborg bachmann

Wohin aber gehen wir ohne sorge sei ohne sorge wenn es dunkel und wenn es kalt wird sei ohne sorge 5 aber mit musik was sollen wir tun heiter und mit musik und denken 10 heiter angesichts eines Endes mit musik und wohin tragen wir am besten 15 unsre Fragen und den Schauer aller Jahre in .....
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Die große fracht - ingeborg bachmann

Die große Fracht des Sommers ist verladen, das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit, wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit. Die große Fracht des Sommers ist verladen. 5 Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit, und auf die Lippen der Galionsfiguren tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren. Das So .....
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Herbstmanöver - ingeborg bachmann

Ich sage nicht: das war gestern. Mit wertlosem Sommergeld in den Taschen liegen wir wieder auf der Spreu des Hohns, im Herbstmanöver der Zeit. Und der Fluchtweg nach Süden kommt uns nicht, wie den Vögeln, zustatten. Vorüber, am Abend, 5 ziehen Fischkutter und Gondeln, und manchmal t .....
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Alle tage - ingeborg bachmann

Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte ist alltäglich geworden. Der Held bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache 5 ist in die Feuerzonen gerückt. Die Uniform des Tages ist die Geduld, die Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung über dem Herzen. Er wird verliehe .....
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Ingeborg bachmann (i926—i973)

Moderne Problematik und moderne Form verschmelzen sich schon in ihren ersten Gedichtbänden 'Die gestundete Zeit" und 'Anrufung des Großen Bären" zu packenden Bildern. In ihrem kühlen und harten Klang sind ihre Gedichte charakteristisch für die Gegenwarfslyrik; ihre Wortgew.ilt und Musikalität kom .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Ingeborg bachmann - die gestundete zeit

Es kommen härtere Tage. Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont. Bald mußt du den Schuh schnüren und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe. Denn die Eingeweide der Fische Sind kalt geworden im Wind. Ärmlich brennt das Licht der Lupinen. Dein Blick spurt im Nebel: die a .....
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Bachmann,  Ingeborg    


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