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Aristoteles - Leben und Biographie



Aristoteles gilt neben Sokrates und -»Piaton als Begründer der klassischen philosophischen Kultur des Abendlandes. Nach Aristoteles ist es das Ziel der Philosophie, die Natur ursächlich zu verstehen und die Welt des Menschen auszulegen.
      Aristoteles, Sohn eines Arztes am makedonischen Königshof, kam im Alter von 17 Jahren nach Athen und trat dort in die platonische Akademie ein. Nach dem Tod Piatons ging er zunächst nach Assos und Mytilene, 343/42 berief ihn Philipp 11. von Makedonien an den Hof nach Pella als Lehrer seines Sohnes Alexander. 334 kehrte Aristoteles nach Athen zurück, lehrte im Lykei-on und gründete seine eigene Schule, den Peripatos. Als Alexander der Große starb, wurde Aristotelesvon Gegnern Makedoniens der Gottlosigkeit angeklagt und floh ins Exil nach Chalkis.
      Die philosophischen Lehrschriften des Aristoteles, deren Entstehungszeiten zum großen Teil unbekannt sind, waren für die Hörer der Akademie verfasste Vorlesungsmanuskripte, die nicht für eine Veröffentlichung bestimmt waren. In seinen Schriften behandelt Aristoteles unterschiedliche Bereiche. Zu ihnen zählen die für die Entwicklung der Logik sowie der Erkenntnistheorie maßgeblichen Werke des Organon sowie die für die Geschichte der abendländischen Metaphysik grundlegenden Bücher . An die Stelle der platonischen Idee, welche die Allgemeinheit als erstes Seiendes betrachtet, tritt bei Aristoteles die konkrete Substanz . Ebenso behandelt Aristoteles die Ethik [Nikomachische, Eudemische und Große EthiK) mit ihrer Lehre von den Tugenden, die Staatstheorie , in der er den Menschen als gemein- -- -â– «*schaftsbildenries und sprachbegabtes Lebewesen herausstellt, die grundlegende Schrift zur abendländischen Dichtkunst und die in ihrer psychologischen Konzeption bis heute bedeutungsvolle Rhetorik.

      Poetik
Ursprünglich als Schrift für die Hörer der Athener Akademie verfasst, begründet die fragmentarische Poetik des Aristoteles die Tradition der Dichtungs-theorie. In der Auseinandersetzung mit dem Drama, und zwar primär mit der Tragödie, stellt das Werk gleichsam eine Theorie der Gattung dar.
      Aufbau: Die Schrift gliedert sich in drei Abschnitte: Ein allgemeiner Teil hebt hervor, dass das Wesen der Dichtung, die Nachahmung , der Natur des Menschen entspringt und deren oberstes Prinzip ist. Der folgende Teil behandelt die Tragödientheorie, die letzten Kapitel beschäftigen sich mit dem Epos. Im abschließenden Vergleich der beiden Gattungen entscheidet sich der Verfasser für die Tragödie, da sie »das Ziel der Nachahmung bei einem geringeren Umfang [erreicht]« und über szenische Mittel verfügt.
      Inhalt: Die Tragödie besteht nach Aristoteles aus den sechs qualitativen Elementen Handlung , Charakter , Sprache , Schau , Gedanke/Absicht und Gesang . Die Handlung besteht aus einer Verknüpfung von Begebenheiten zu einem einheitlichen Ganzen. Innerhalb des Handlungsverlaufs des Dramas muss ein Wendepunkt, die Peripetie, eintreten. Dieser Umschlag vom Glück ins Unglück wird durch das Handeln des Protagonisten erzeugt, der ein tüchtiger, aber fehl-barer Charakter sein sollte und durch seinen Fehler, sei es Unwissenheit oder Hybris, dem Zuschauer ähnelt. Die fehlerhafte Handlungsweise des tragischen Helden zwingt diesen, schweres Leid zu ertragen und führt, oft verbunden mit einem Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis, zur Katastrophe. Die Wirkung der Tragödie auf den Zuschauer gründet sich auf die Erregung der physischen Affekte Jammer und Schauder mit dem Ziel der Katharsis, die als Erleichterung und Befreiung erlebt werden soll. Rezeptionsgeschichte: Die Poetik des Aristoteles begründete neben der Schrift Ãœber die Dichtkunst {Ars Poetika, um 18 v.Chr.) von -> Horaz sowie einige Beispiele antiker griechisch-römischer Dramen das Dramenverständnis der Antike und der Neuzeit. In der Renaissance ergänzten vor allem französische Kommentatoren das vorhandene Wissen zu einem Regelsystem. Aufgrund des aristotelischen Verweises, die Tragödie versuche bessere Menschen nachzuahmen, als sie in der Wirklichkeit vorkommen und die Komödie schlechtere, wurde seit dem 16. Jahrhundert die sogenannte Ständeklausel begründet, nach der die Tragödie hoch gestellte Personen behandelt, die Komödie niedrig gestellte. Die Poetik hatte ihre Blütezeit im europäischen Klassizismus, dem die Kunst und Literatur der Antike zum Leitbild wurde.
      In der Homburgischen Dramaturgie von Gotthold Ephraim -> Lessing dient der Vergleich mit der Poetik dem Versuch, dem bürgerlichen Trauerspiel ein theoretisches Fundament zu bereiten. Das Werk enthält Lessings falsche Deutung des Begriffspaars eleos und phobos zur Wirkung der Tragödie, die er mit »Mitleid« und »Furcht« als sittlich-moralische Wirkung im Sinne des philanthropischen Aufklärungsgedankens übersetzt. Das antiaristotelische Drama von Bertolt -> Brecht zeugt von dem beträchtlichen Einfluss der Schrift bis ins 20. Jahrhundert hinein.
      Stationen der Rezeption der »Politik« von Aristoteles
Thomas von Aquin ca. 1265/73 Von der Fürstenherrschaft: Thomas übernimmt die politische Anthropologie des Aristoteles und erweitert sie um die christliche Bestimmung des Menschen. Politisch hat dies eine Nebeneinanderstellung der weltlichen und der geistlichen Gewalt zur Folge, die einen bedingten Vorrang der Letzteren zulässt.
      Dante Alighieri 1317 Die Monarchie: Mit aristotelischen Argumenten streitet Dante für die Unabhängigkeit kaiserlicher Gewalt vom Papsttum. Dante feiert Aristoteles als den »Meister derer, die wissen«.
      Marsilius von Padua 1324 Der Verteidiger des Friedens: Marsilius deutet die menschliche Gesellschaft und ihre gesetzliche Ordnung rational und säkular, um machtpolitisch das Papsttum in seine Schranken zu weisen.
      Hermann Conring 1662 Einzelnes Buch über die bürgerliche KlugheitZiel der politischen Wissenschaft ist für Conring nicht der machtpolitische Nutzen für die Staaten, sondern - ganz aristotelisch - das Glück der menschlichen Gemeinschaft.
      G.W. F. Hegel 1832 Die Philosophie des Rechts:Hegt will griechische Sittlichkeit, die Aristoteles in der Polis wirksam sah, mit den Rechten des modernen Menschen, die im politischen Denken der Neuzeit zentral sind, vereinbaren.
      Friedrich C. Dahlmann 1835 Die Politik: Der Wortführer der »Göttinger Sieben« hat dem Werk einen Titel vorangestellt, der Programm ist: die Politik auf den Grund und das Maß gegebener Zustände zurückzuführen.
      Hannah Arendt 1958 Vita activa oder Vom tätigen Leben: In ihrem Buch, dessen amerikanischer Originaltitel The Human Condition lautet, untersucht Arendt die Ursache neuzeitlicher Weltentfremdung.
      Dolf Sternberger 1978 Drei Wurzeln der Politik: Sternbergers Schrift gehört zur neoaristotelischen Politikwissenschaft in Deutschland. Aristoteles' Politik wird zur Grundlage jeglicher »Politologik« erklärt.
      Alasdair Maclntyre 1981 DerVerlust der Tugend: Maclntyre diagnostiziert eine moralische Krise der Gegenwart, deren Ursache im Versagen aufklärerischer Moralphilosophie liegt. Aristotelische Tugendethik wird als Heilmittel empfohlen.
      Martha C. Nussbaum 1999 Gerechtigkeit oder Das gute Leben: Sammlung von Aufsätzen, in denen Nussbaum die menschliche Natur und Fähigkeiten zur Grundlage nimmt, um zu klären, was es heißt, gut zu leben.

     
Politik
In der Politik und seinen Werken über Ethik begründet Aristoteles die praktische Philosophie. Die Schrift wurde zur Basis staatstheoretischer Reflexionen und Ausgangspunkt der politischen Wissenschaft vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert mit ihren unterschiedlichen Formen politischer Ordnung.
      Entstehung: Die Politik ist, wie andere überlieferte Schriften des Verfassers, aus Manuskripten von Vorträgen und Vorlesungen hervorgegangen. Die acht Bücher, aus denen sie besteht, bil-den jedoch kein einheitliches Werk. Die Bücher Vll und VW, die den Entwurf einer idealen Polisordnung enthalten, gelten als die frühesten Teile. Die Untersuchungen zu den verschiedenen Verfassungen, ihrer Erhaltung und ihrem Wandel in den Büchern IV bis VI sind vermutlich später entstanden. Inhalt: Der Mensch ist für Aristoteles von Natur aus ein politisches Lebewesen. In seiner politischen Gemeinschaft teilt der Mensch mit seinen Mitbürgern ein Verständnis für die Tugenden, durch deren Vollzug sein Leben glückt. Dazu zählen zentrale Tugenden wie Gerechtigkeit und Tapferkeit, Besonnenheit und die verbindende Freundschaft. Der Bürger des Aristoteles ist der politisch Mitbestimmende, der »am Richten und Regieren Anteil hat«. Politik besteht im Miteinander-Reden und Miteinander-Handeln. Deshalb ist es auch politisch bedeutsam, dass der Mensch von seinem Wesen her ein sprachbegabtes Sinnenwesen ist. Aristoteles unterscheidet sechs Verfassungsformen, drei seiner Ansicht nach gute sowie drei entartete . Nicht einheitlich beantwortet Aristoteles jedoch die Frage, welche Verfassung die beste sei. Dahinter verbirgt sich keine philosophische Unent-schlossenheit: Es gilt vielmehr bei der Frage nach der besten Verfassung jeweils die verschiedenen Umstände der historisch-politischen Konstellation zu berücksichtigen. Wirkung: Nach ihrer Wiederentdeckung im 13. Jahrhundert wurde die Politikdes Aristoteles zur maßgeblichen Schrift der politischen Wissenschaft für die kommenden Jahrhunderte. Erheblich trug dazu bei, dass Aristoteles im Mittelalter als »Meister derer, die wissen« galt. -^Thomas von Aquin und Dante Alighieri bauten ihre theologischpolitischen Vorstellungen ebenso auf Aristoteles auf, wie der Padovaner Philosoph und Mediziner Marsilius seine säkulare Lehre von der Ãœberordnung der weltlichen über die geistliche Gewalt. Wer, wie der englische Philosoph Thomas ^Hobbes, eine eigenständige Wissenschaft von der Politik entwerfen wollte, kam nicht umhin, Aristoteles mit großem rhetorischem Aufwand zu umgehen. Im 19. Jahrhundert versuchte G.W. F. -> Hegel in den Grundlinien der Philosophie des Rechts Aristoteles' Philosophie der Sittlichkeit in die Moderne zu übertragen, und Karl -> Marx knüpfte an die Kritik der Ökonomie an, die der griechische Philosoph geübt hatte. Im 20. Jahrhundert wirkte das Werk auf den Kommunitarismus, den modernitätskritischen Entwurf von Alasdair Maclntyre ebenso wie auf den sozialdemokratischen von Martha C. Nussbaum .


Aristoteles

Als vor zweieinhalb Jahrtausenden in Griechenland philosophisches Denken einsetzte, hatte es sich mit dem dort bestehenden Weltbild des Mythos auseinanderzusetzen. Das Gesetz, dem das Denken tolgte, hieß im einen Fall Mythos und im anderen Logos. Das Denken wollte im einen wie im anderen Fall die We .....
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Aristoteles - poetik

2. Kapitel Da aber die Nachahmenden handelnde Menschen nachahmen, diese aber notwendigerweise gut oder schlecht sind — die Charaktere nämlich lassen sich fast immer allein auf eins von beiden zurückführen, denn durch Schlechtigkeit und Tugend unterscheiden sich alle —, so stellen sie die Men .....
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