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Ariosto, Ludovico - Leben und Biographie



udovico Ariosto zählt insbesondere wegen seines Epos Der rasende Roland zu den meistgelesenen Autoren des 16. Jahrhunderts.
      Der humanistisch gebildete Ariosto stand 1503-17 in Ferrara in Diensten des Kardinals lppolito d'Este und war ab 1518 für Herzog Alfonso 1. von Ferrara in diplomatischen Missionen tätig. 1527/28 übersiedelte er nach Mirasole und übernahm die Intendanz des Hoftheaters.
      Schon im teils auf Latein, teils auf Italienisch geschriebenen Frühwerk erwies sich Ariosto als hervorragender Stilist, wenn er auch in der Gegenüberstellung von banalem Leben und idealer höfischer Kultur sowie im Topos des Frauenlobs konventionellen Mustern folgte. In der mittleren Schaffensperiode entstand neben weiterer Lyrik und einigen Komödien, die sich von antiken Vorbildern entfernen, sein Hauptwerk, das komische Versepos Der rasende Roland.
      Zu Ariostos Spätwerk gehören neben den Dramen Der Nekromant und Lena, die Kupplerin auch Satiren , die politischen Ereignissen und persönlichen Erlebnissen gewidmet sind.
      Der rasende Roland
Obwohl es in der Darstellung der Ritterwelt mittelalterliche Motivik behandelt, ist Der rasende Roland ein zukunftsweisendes Werk, nicht zu-letzt dank des subjektiven und ironischen Umgangs mit dem Stoff. Ludovico Ariosto erweist sich darin als Meister in der Verknüpfung entlegener Themen und Zeitebenen, verwickelter Ereignisse und einer großen Anzahl von Figuren. Entstehung: Ariosto schrieb Der rasende Roland als Fortsetzung des unvollendet gebliebenen Ritterepos Der verliebte Roland von Mat-teo Maria Boiardo ; bei diesem ist die Verknüpfung zwischen den Legenden um die Gefolgsleute Karls des Großen im Kampf gegen die Heiden und dem bretonischen Sagenkreis der Artusritter mit dem höfischen Liebesideal bereits vollzogen. Direkt oder indirekt stützte sich Ariosto auf Boiardos Quellen, darunter das altfranzösische -> Rolandslied , ferner auf antike Dichter wie -^Vergil, -> Ovid oder ^Lukian; außerdem ist eine fiktive Genealogie des Herrscherhauses der Este in den Text eingeflochten. Ohne klassische Vorbilder sind das Kokettieren des Autors mit der Leserschaft, das bewusst im Text aufscheinende erzählende Ich sowie die burlesken und bizarren Züge seines Epos.
      Inhalt: Der rasende Roland spielt vor dem Hintergrund der Kämpfe zwischen dem Frankenkaiser Karl dem Großen und seinen Paladinen, darunter Roland, auf der einen sowie Sarazenen und Spaniern auf der anderen Seite. Die Auseinandersetzung zwischen den Christen und den in Frankreich eingefallenen Heiden wird auf den Schauplätzen Paris, Arles und Lampedusa schließlich zugunsten der Franken entschieden. Ãoberlagert wird die Darstellung des Konflikts durch ausufernde Schilderungen der Abenteuer und Liebesepisoden einzelner höfischer Ritter, die in rasantem Tempo die Ã-rtlichkeiten in Europa wechseln und bis nach Indien und China gelangen, begehrenswerten Frauen nachstellen, sich duellieren sowie in manche Fabelwelt geraten. Roland wird, da seine Liebe zu Angelica nicht erwidert wird, wahnsinnig , kann aber wundersam geheilt werden und trägt mit seinem Heldenmut entscheidend zum Sieg der Christen bei. Aufbau: Der rasende Roland besteht aus 46 Gesängen, die unterschiedlich lang sind. Streng ist Ariosto hingegen in der Verwendung der Stanze als einziger Strophenform: Acht Verse zu je elf Silben fügen sich zu einer Strophe mit dem Reimschema ab ab ab cc. Wirkung: Ariostos komisches Versepos gehört zu den einflussreichsten Werken der europäischen Literaturgeschichte. Das Epos, das sich als UnterhaltungsliteratUT versteht, löste in Italien eine Flut von Parodien aus. An den Rasenden Rolandknüpften u.a. der Spanier Miguel de -> Cervantes mit dem Ritterroman Don Quijote de la Mancha , der Franzose -^Voltaire mit dem heroisch-komischen Versepos Die
Jungfrau von Orleans , der Deutsche Christoph Martin -> Wieland mit dem ironischfantastischen Heldengedicht Oberon und der Engländer George Lord -»Byron mit dem romantischen Versepos Don Juan .
      Im Zeichen einer klassizistischen Kunstauffassung war das Verständnis von Ariostos Epos lange erschwert, da mit den Kriterien der Einheit der Handlung sowie der epischen »Objektivität« Maßstäbe angelegt wurden, die dem Rasenden Roland fremd sind, verdankt er seinen Charme doch der Willkür der Handlungsführung, den raschen Stimmungswechseln und der Einmischung des Autors; damit weist es auf Romantik und Moderne voraus.
      Hauptfiguren in »Der rasende Roland« von Ludovico Ariosto
Roland/Orlando: Der Paladin Karls des Großen ist in Angelica verliebt. Als er erkennt, dass seine Liebe nicht erwidert wird, rast er wie toll durch die Welt. Astolfo kann ihm seinen Verstand zurückbringen und der geheilte Roland spielt eine herausragende Rolle in der letzten Schlacht der Christen gegen die Heiden bei Lampedusa. Angelica: Die kapriziöse fernöstliche Prinzessin ist das Sehnsuchtsobjekt von Roland und anderen Rittern. Sie zieht allen Helden den einfachen Fußsoldaten Medoro vor und kehrt mit ihm in ihre Heimat zurück. Ruggiero/Rüdiger: Er ist in Lehenstreue dem Heidenkönig Agramant verpflichtet, aber in Liebe zur Christin Bradamante entflammt. Erst nach etlichen Wirrnissen wird er getauft. Dem byzantinischen Thronfolger Leo, den Bradamantes Eltern als ihren Ehemann ausersehen haben, ist er zu Dankbarkeit verpflichtet, weil dieser ihn aus dem Gefängnis befreit hat - ein weiterer Konflikt.
      Bradamante: Der edle weibliche Ritter heiratet, nachdem Leo auf seine Ansprüche auf sie verzichtet hat, Ruggiero/Rüdiger und begründet mit ihm das Geschlecht der Este.
      Agramante: Der Sarazenenkönig fällt mit seinen afroasiatischen Heiden in Frankreich ein und zwingt die Christen zweimal hinter die Mauern von Paris zurück. Er wird mit seinen Soldaten nach Arles zurückgeschlagen. Dort kommt es erneut zur Schlacht; die Heiden werden ins Meer geworfen.
      Astolfo: Der englische Herzog reist mit dem Evangelisten Johannes zum Mond, wo ihm die Eitelkeit des menschlichen Lebens in Allegorien begegnet. Er kann den dort in einem Krug aufbewahrten Verstand Rolands zur Erde zurückbringen. Nach der Schlacht bei Arles zerstört er die heidnische Hauptstadt Bizerta und lässt die letzten Schiffe vernichten, mit denen die Heiden zu fliehen versuchten.
     


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Ariosto,  Ludovico    


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