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Aretino, Pietro - Leben und Biographie



Zu Lebzeiten war Pietro Aretino wegen seiner scharfzüngigen Satiren sowie seiner Droh- und Schmähbriefe gefürchtet. Außerdem verfasste er Komödien, Kunstkritiken sowie eine umfangreiche Korrespondenz: Ãober 3000 Briefe sind von ihm überliefert. Trotz seiner umstrittenen Stellung hatte Aretino entscheidenden Einfluss auf die Kunstbeurteilung seiner Zeit und gilt als der erste Kunstkritiker.
      Aretino, vermutlich der Sohn eines Schuhmachers, verbrachte seine Jugend in Rom, wo seine Spottverse seinen Ruf als »Geißel der Fürsten« begründeten. 1527 zog Aretino nach Venedig, wo er bis zu seinem Tod blieb. Mit 32 Jahren ernannte er sich selbst zum »Dfvino«, zum göttlichen Talent, das von keinen Regeln und Konventionen abhängig sei. Oft genug verstieß er gegen alle Regeln und musste wegen seiner erotischen Sonette aus Rom fliehen, da die Schergen von Papst Clemens Vll. einen Mordanschlag auf ihn verübten.
      Neben den Kurtisanengesprächen gehören Komödien wie Die Kurtisane , Der Heuchler und DerPhilosoph, seine einzige Tragödie Die Horatier sowie die ßr/ef"e zu seinen besten Werken.

      Kurtisanengespräche
So genannte Liebeslehren, welche die Liebe idealisierten oder sie diskutierten, waren in der italienischen Literatur des 16. Jahrhunderts weit verbreitet. Pietro Aretino parodierte diese Traktate mit seinen Kurtisanengesprächen, die er ins
Dirnenmilieu verlegte. Bewusst überschritt er die Schamschwelle in der Darstellung des Sexuellen. Die Geschichten haben häufig die Form deftiger Schwanke oder Burlesken. Vorbilder: Zu den Vorläufern der Kurtisanengespräche gehören u.a. die Hetärengespröehe des griechischen Satirikers -»Lukian, die ebenfalls in Dialogform verfasst sind, und das Deka-meron von Giovanni -» Boccaccio mit seiner ausgeprägt erotischen Thematik. Struktur: Die hauptsächlich aus Dialogen bestehenden Kurtisanengespräche gliedern sich in zwei Teile. Der erste erschien 1534 unter dem Titel Gespräch zwischen Nanna und Antonio, der zweite wurde 1536 veröffentlicht und trug den Titel Dialog, in dem die Nanna ihr Töchterchen Pippa unterweist. In den beiden Prologen stellt sich Aretino als »die Geißel der Fürsten, der Wahrheitsmann, der Göttliche« vor. Inhalt: Im Prolog zur Unterhaltung der beiden erfahrenen Kurtisanen Nanna und Antonia widmet Aretino den ersten Teil des Werks seinem Ã"ffchen Joko, das er mit den Menschen, vor allem den großen Herren seineT Zeit vergleicht. Ausgangspunkt des dreitägigen Gesprächs ist die Sorge Naunas über die Zukunft ihrer Tochter Pippa: Soll sie das Mädchen Nonne, Ehefrau oder Kurtisane werden lassen? Antonia bittet ihre Freundin, über ihr eigenes Leben als Nonne, verheiratete Frau und Kurtisane zu berichten, damit sie eine kluge Entscheidung fällen könne. Nanna berichtet am ersten Tag vom ausschweifenden Leben in den Klöstern, erwähnt am nächsten Tag Beispiele treuloser Ehefrauen und schildert am letzten ihr Leben als Hure, das sie als skandalös und betrügerisch beschreibt. Antonias Urteil ist eindeutig: Nanna soll die Tochter zur Hure ausbilden. Während Nonnen und Ehefrauen ihre Gelübde brechen müssten, um sich auszuleben, seien »Huren wie ein Soldat, der dafür bezahlt wird, dass er übel handelt«.
      Der Einführung der Tochter in ihren zukünftigen Beruf hat Aretino den zweiten Teil seines Buchs gewidmet. Im Prolog rechtfertigt er sein Werk: »Aretino ist dem menschlichen Leben nötiger als die Predigten, denn diese bringen die einfachen Leute auf den rechten Weg, seine Schriften aber die großen Herren.«
In einem ebenfalls dreitägigen Gespräch zwischen Nanna und Pippa unterweist Nanna ihre Tochter zunächst in Fragen des Benehmens und führt sie in die Liebespraktiken ein. Der zweite Tag ist dem tragischen Schicksal der Huren gewidmet, die das Pech hatten, sich zu verlieben, der dritte den Praktiken der Kuppelei. Wirkung: Trotz der eindeutigen erotischen Thematik zeichnet Aretino ein anschauliches, oft drastisches und groteskes Bild des Lebens in der Renaissance. Scharfsichtig und satirisch be-schreibt er das Verhalten von Männern und Frauen in Liebesangelegenheiten - dabei behandelt er das einfache Volk meist nachsichtiger als die Hochgestellten. Seine sich an der Volkssprache orientierende, färben- und nuancenreiche Ausdrucksweise hat dem Werk trotz aller Freizügigkeit einen Platz in der Weltliteratur gesichert. Die zeitgenössische Kritik sprach Aretinos Dasein »etwas von der Garantielosig-keit und Brüchigkeit moderner Existenzformen« zu, oft wurde er einer der ersten typischen Vertreter der Neuzeit genannt.


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Aretino,  Pietro    


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