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Apollinaire, Guillaume - Leben und Biographie



Guillaume Apollinaire war Lyriker, Dramatiker, Novellenautor, Verfasser pornografischer Romane, Kunstkritiker und Journalist in einer Person. Ab 1899 in Paris lebend, fand er schnell Zugang zu den Künstlerzirkeln der Metropole. Zu seinen Freunden zählten bekannte Schriftsteller und Maler wie Raoul Dufy , Henri Rousseau und vor allem Pablo Picasso . Ihre Ideen beeinflussten sein vielgestaltiges Werk, das seinerseits auf die Arbeiten seiner Freunde zurückwirkte. Als erster Theoretiker des Kubismus machte er diesen allgemein bekannt.
      Apollinaire war das uneheliche Kind einer polnischen Mutter und eines italienischen Vaters. Reisen führten ihn nach Stavelot , Bad Honnef, London, Berlin, Prag, München und Wien: die Ardennen, der Rhein und Mitteleuropa sind daher bevorzugte Schauplätze seiner Lyrik und Erzählungen. Um die französische Staatsangehörigkeit zu erlangen, meldete Apollinaire sich bei Ausbruch des Kriegs freiwillig an die Front, erlitt 1915 eine Kopfverletzung und musste sich einer Schädeloperation unterziehen. Fünf Tage vor Kriegsende starb er, noch geschwächt, an der Spanischen Grippe.
      Kosmopolitismus, grenzenlose Neugier und undoktrinäre Offenheit, begründet im Be-wusstsein mangelnder familiärer und nationaler Identität, kennzeichnen das Werk von Apollinaire, dessen innovatorische Kraft erst nach dem Zweiten Weltkrieg allgemeine Anerkennung fand. Biografie: J. Grimm, Guillaume Apollinaire 1993.

      Alkohol
Die Lyriksammlung Alkohol von Guillaume Apollinaire steht an der Schwelle zweier Epochen: An ihr lässt sich exemplarisch der Ãobergang vom Lebensüber-druss des ausgehenden 19. zur enthusiastischen, mitunter auch skeptisch nuancierten
Verherrlichung der technisierten Welt des beginnenden 20. Jahrhunderts ablesen. Der Band enthält ca. 50 Gedichte, die zwischen 1898 und 1912 entstanden sind. Einige erschienen schon früher in Zeitschriften und Anthologien. Sein metaphorisch zu verstehender Titel ist Programm: Der Dichter ist ein Magier und Dichtung ein dionysischer Rausch, der alle inhaltlichen und formalen Konventionen zerstört und allein »das Leben« feiert. Aufbau: Aufgrund der fast 15-jährigen Entstehungsgeschichte vermischen sich in AlkohoNet-schiedene Einflüsse und Erlebnisse. Das Eröffnungsgedicht Zoneist ein hymnischer Ausdruck der Faszination durch die im Eiffelturm symbolisierte Großstadt und pathetische Absage an die »Alte Welt«; zugleich artikuliert es als düsterstes Gedicht der Sammlung ein Lebensgefühl der Vereinsamung des Menschen in der anonymen Großstadt. Das Schlussgedicht Weinmond setzt der Verzweiflung über die Einsamkeiteinen ekstatischen Hymnus auf die Welt und das Universum entgegen, die der Mensch dank der modernen Technik hat in Besitz nehmen können. Zwischen diesen Eckpfeilern ordnen sich die Gedichte nach Themengruppen. Inhalt: Einige Gedichte stehen noch in der Tradition des Symbolismus, während zahlreiche Herbstgedichte bereits lebensbejahende Nuancen tragen. Volksliedhaften Charakter trägt der Zyklus Rheingedichte, deT in Deutschland entstand, wo Apollinaire zu dieser Zeit Hauslehrer einer französischen Familie war. Der gleichgültig dahinfließende Rhein wird zum Symbol der Flucht der Zeit und der Vergänglichkeit der Liebe. In seinem bekanntesten Liebesgedicht, Der Pont Mirabeau, gelingt Apollinaire eine vollkommene Synthese von Bildern des fließenden Stroms als Spiegelbild der fliehenden Zeit und der Endlichkeit der Liebe; im Refrain setzt er im Bild des Pont Mirabeau dem Fließen des Stromes und der Zeit das Verlangen nach Dauer und Beständigkeit entgegen. Das stark autobiogra-fische Lied des Ungeliebten umfasst 59 Strophen zu je fünf Achtsilbern; in einer Odyssee der Einsamkeit durchstreift seine Hauptfigur London und Paris und steigert in mythischen Bildern das Scheitern seiner Liebe in kosmische Dimensionen. In Frauen antizipiert Apollinaire die Technik späterer Konversationsgedichte.
      Einen sehr breiten Raum nimmt in seinen Texten die Darstellung sozialer Außenseiterein. Sie sind Bestandteil der persönlichen Mythologie Apollinaires und glecihzeitig Projektionsfiguren seiner selbst. In ihnen spiegelt sich das Selbstverständnis der avantgardistischen Künstler am Rand der bürgerlichen Gesellschaft. Das schönste Gedicht dieser Art, Marizi-bill, ist einer Kölner Prostituierten gleichen Namens gewidmet.
      Stil: Formal zeigt Alkohol Apollinaires allmähliche Befreiung von der traditionellen Metrik; in den spätesten Gedichten bedient er sich freier Vers- und Strophenformen, die sich natürlich dem Rhythmus der Gedanken und Empfindungen anpassen. Kühne Bildassoziationen, freie Metaphernketten, Collagen, Aufhebung von Raum und Zeit stehen im Dienste einer von Apollinaire entwickelten »Ã"sthetik der Ãoberraschung«. Bei Drucklegung strich der Dichter alle Interpunktionszeichen. Die daraus resultierende Mehrdeutigkeit von Gegenständen und Ereignissen verleiht vielen Gedichten ein erhöhtes Sinnpotenzial und bezieht den Leser intensiv in den Lektüreprozess ein.
      Wertung: Bei Erscheinen der Sammlung hob die Kritik vor allem ihren heterogenen Charakter hervor und verglich sie mit einem Trödelladen. Heute gilt Alkohol unangefochten als die erste bedeutende Lyriksammlung des 20. Jahrhunderts.
      Die wichtigsten Bücher von Guillaume Apollinaire
Die elftausend Ruten, 1907 In diesem »pornografischen« Roman schildert Apollinaire die Lebensgeschichte des rumänischen Fürsten Mony Vibescu.
      Die Heldentaten eines jungen Don Juan, 1907/11 In Ichform erzählt der autobiografisch geprägte Roman die sexuellen Erfahrungen eines frühreifen jungen Mannes. Im Mittelpunkt steht nicht die »Erziehung zur Liebe« im Sinne Flauberts, sondern der methodische Erwerb von Liebestechniken.
      Derverwesende Zauberer 1909 Die von Andre Derain illustrierte Erzählung enthält bereits alle späte-teren Themen und Techniken Apollinaires: Aufhebung herkömmlicher Raum- und Zeitidentitäten, Vergänglichkeit der Liebe, Ununterscheid-barkeitvon Wahrheit und Lüge, die magisch-schöpferische Kraft des Dichters, seine Vorliebe für Absonderliches, die Collage von Stilen und Gattungen.
      Bestiarium oder Das Gefolge des Orpheus, 1911 Die meist vierzeiligen Gedichte des von Raoul Dufy illustrierten Bandes sind ein Selbstporträt des Dichters, der seine Träume auf Tierbilder projiziert.
      Die Maler des Kubismus-Ã"sthetische Betrachtungen, 1913 Ein Jahr nach der »Erfindung« des Kubismus fasste Apollinaire in diesem Sammelband seine bisherigen kunstkritischen und -theoretischen Schriften zusammen und porträtierte 49 zeitgenössische Künstler.
      Alkohol 1913 Die wichtigste Sammlung avantgardistischer französischer Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts enthält den Großteil der von Apollinaire zwischen 1898und 1912 abgefassten Gedichte.
      Dergemordete Dichter. }916 In der Gestalt des ermordeten Croniamantal zeichnet Apollinaire das ideale Selbstporträt des magischen Dichters, eine Synthese aus Orpheus und Homer.
      Die Brüste des Tiresias, 1917 Mit diesem »surrealistischen Drama« leistete Apollinaire einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des avantgardistischen Theaters und beeinflusste zugleich indirekt das »Theater des Absurden« von Samuel -»Beckett und Eugene lonesco .
      Die sitzende Frau 1917 Die collagehafte Kompositionstechnik dieses Romans, der im Künstlermilieu des Montparnasse zur Zeit des Ersten Weltkriegs spielt, erlaubt es Apollinaire, ein Maximum an zeitgenössischer Wirklichkeit in sein Werk aufzunehmen.
      Kailigramme 1918 Die bahnbrechende Neuerung dieser Lyriksammlung liegt in dertypo-grafischen Anordnung zahlreicher Gedichte: Eine »kalligrafische« Auflösung der Wörter macht den Sinn dieser »Bildgedichte« anschaulich und intensiviert ihre Aussage.
      Erzketzerft Co 1920 In den außergewöhnlichen Erzählungen verbinden sich Wirklichkeit und Fantastik zu befremdlicher Faszination.
     


Zwei reflexionen über die lyrik: apollinaire und garcia lorca

Seit Poe und Baudelaire entwickeln die Lyriker eine ihrem Werk ebenbürtige dichtungstheoretische Reflexion. Das geschieht nicht aus didaktischen Gründen. Vielmehr entspringt dies der modernen Überzeugung, daß das poetische Tun ein Abenteuer des operierenden und dabei sich selber zusehenden Geistes i .....
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G. apollinaire

Zone A la fin tu es las de ce monde ancien Bergere 6 tour Eiffel le troupeau des ponts bele ce matin Tu en as assez de vivre dans l'antiquite grecque et romaine Ici meme les automobiles ont l'air d'etre anciennes La religion seule est restee toute neuve la religion Est restee simple comme le .....
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G. apollinaire - zone

Schließlich bist Du dieser alten Welt müde. Hirte, o Eiffelturm, die Herde der Brücken blökt heute morgen. Du hast es satt, in der griechischen und römischen Antike zu leben. Hier sehen sogar die Autos aus, als wären sie uralt. Die Religion allein ist völlig neu geblieben, die Religion Ist einf .....
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