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Andrzejewski, Jerzy - Leben und Biographie



Zentrales Element der Romane und Erzählungen von Jerzy Andrzejewski ist die Gestaltung moralischer Konflikte als Ausdruck der Suche nach beständigen ethischen Werten. Seine Gestalten stehen vor dem Konflikt der Notwendigkeit, für ihre Ãoberzeugungen kämpfen zu müssen, einerseits und der Einsicht in die Unmöglichkeit oder Sinnlosigkeit ihres Handelns bzw. der ethischen Zweifelhaftigkeit ihrer Vorgehensweise andererseits.
      Andrzejewski war nach seinem Studium der polnischen Philologie zunächst für die Zeitschrift Prosta z mostu tätig. 1936 debütierte er mit einem Erzählungsband; 1938 folgte der Roman Ordnung des Herzens über einen katholischen Priester in einer Glaubenskrise. Während des Kriegs blieb Andrzejewski in Warschau und nahm aktiv am konspirativen literarischen Leben teil. Die Machtübernahme durch die Kommunisten akzeptierte er als historische Notwendigkeit; während der Stalinzeit war er Kulturfunktionär.
     
Ende der 1950er Jahre distanzierte er sich von den Kommunisten und vertrat in den 1960er und 70er Jahren regimekritische Positionen; einige Bücher konnten deshalb nur im Ausland veröffentlicht werden.
      In späteren Werken wie Finsternis bedeckt die frefe und Siehe,erkommthüpfendüberdie Berge beschäftigte sich Andrzejewski mit der Frage nach der Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft und dem Verhältnis von Ideologie und Gewissen.

      Asche und Diamant
Mit seinem Roman zeichnet Jerzy Andrzejewski ein nüchternes Bild von der politischen Situation in Polen nach dem Ende der Okkupation durch die Nationalsozialisten. Aufgrund seiner ästhetischen Qualitäten - die lebendige, vielschichtige Handlung, das breite Panorama von ambivalenten Eiguren - ist der Roman weit mehr als ein reines Zeitdokument. Entstehung: Ursprünglich war das Buch als Serie von Reportagen angelegt, die 1947 unter dem Titel Gleich nach dem Krieg in Fortsetzungen in der Zeitschrift Odrodzenie veröffentlicht wurden. Der Titel Asche und Diamant, den Andrzejewski für die Buchausgabe wählte und der aus einem Gedicht von Cyprian Kami] Norwid stammt, steht sinnbildlich für die Suche nach beständigen ethischen Werten, die seine Hauptfiguren antreibt - nach Werten, auf die sich ihre eigene Zukunft und die des Landes gründen könnte.
      Inhalt: Die Handlung spielt Anfang Mai 1945, kurz vor der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands, in der Provinzstadt Ostro-wiec . Zentrale Figur ist der 22-jährige Maciej Chelmicki, früherer Student und Teilnehmer des Warschauer Aufstands von 1944, nun Mitglied der lokalen Gruppe der antikommunistischen »Heimatarmee«, die Terroranschläge gegen Funktionäre der Polnischen Arbeiterpartei ausführt. Maciek, der von seinem Vorgesetzten Andrzej Kossecki den Befehl erhält, den Parteisekretär Stefan Szczuka zu ermorden, mietet sich im Hotel des Opfers ein. In der Hotelbar lernt er die Bardame Krystyna Rozbicka kennen. Nach der gemeinsam verbrachten Nacht will sich der verliebte Maciek aus der Konspiration zurückziehen, um mit Krystyna ein neues Leben anzufangen, doch der Preis für den Ausstieg ist die Vollendung des Anschlags. Maciek führt den Auftrag aus und erschießt Szczuka. Auf dem Weg zu einem Treffen mit Krystyna stößt er zu-fällig auf eine Armee-Patrouille, verliert die Nerven und wird auf der Flucht erschossen. Die Soldaten finden bei ihm kein belastendes Material. Aufbau: Die parallel zur Geschichte Macieks verlaufenden Nebenhandlungsstränge modellieren die Charaktere einiger weiterer Figuren heraus. Wie Maciek stehen sie allesamt im Banne der Vergangenheit. Da ist zum einen der mit Sympathie dargestellte Ingenieur Szczuka, ehemaliger Häftling im Konzentrationslager Groß-Rosen, Kommunist aus Ãoberzeugung; er gedenkt ständig seiner im Konzentrationslager Ravensbrück ermordeten Ehefrau, was ihn der notwendigen politischen Tatkraft beraubt. Von der Vergangenheit gebrandmarkt ist auch Richter Antoni Kossecki, der Vater des Untergrundkämpfers Andrzej; für den ehemaligen Kapo des Konzentrationslagers Groß-Rosen erweist sich die Rückkehr zur Normalität der Vorkriegsjahre als unmöglich, nachdem ihn Szczuka als einen an Häftlingsmisshandlungen beteiligten Kollaborateur enttarnt. In der Vergangenheit lebt ebenfalls Kosseckis jüngerer Sohn Alek, der im Begriff ist, eine eigene konspirative Gruppe zu gründen; für ihn, der nichts anderes als Krieg und Gewalt kennen gelernt hat, ist Widerstand zum nihilistischen Selbstzweck geworden. Wirkung: Asche und Diamant gehört zu den herausragenden polnischen Romanen des 20. Jahrhunderts. Das Buch wurde in über 25 Sprachen übersetzt und 1959 von Andrzej Wajda (*1926} verfilmt.


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Andrzejewski,  Jerzy    


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