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Andric, Ivo - Leben und Biographie



Mit seinen Werken um die ethnischen und politischen Auseinandersetzungen in Südosteuropa führte Ivo Andric Bosnien als Landschaft in die Weltliteratur ein.
      Aus katholischer Handwerkerfamilie stammend, absolvierte Andric das Gymnasium in Sarajevo und studierte ab 1912 Slawistik und Geschichte in Zagreb, Krakau, Wien und Graz. Während des Ersten Weltkriegs wurde er wegen politischer Aktivitäten in der revolutionärnationalen Bewegung Bosniens interniert. 1918 war er Sekretär des Zagreber Nationalrats, der die Union der Serben, Kroaten und Slowenen, das spätere Jugoslawien, proklamierte. 1921-41 bekleidete Andric eine Reihe diplomatischer Ã"mter , zuletzt als jugoslawischer Gesandter in Berlin, wo er 1939 von den Nationalsozialisten interniert und erst 1941 nach Belgrad entlassen wurde. Dort schrieb er zur Zeit der deutschen Okkupation seine Hauptwerke Die Brücke über die Drina {Na Drini cuprija, 1945) sowie Wesire und Konsuln [Travnicka hro-nika, 1945), die ihn international bekannt machten. Nach dem Krieg u.a. als Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender des Schriftstellerverbandes tätig, erhielt er 1961 für seinen Roman Die Brücke über die Drina den Nobelpreis für Literatur. Biografie:

V.

Singh Mukerji,/vo4ndr/c, 1990.
      Die Brücke über die Drina
Andrics Werk um die Geschichte einer Brücke, die vier Jahrhunderte lang Abend- und Morgenland miteinander verband, ehe sie im Ersten Weltkrieg zerstört wurde, gehört zu den großen Romanen der Weltliteratur. Inhalt: Um die steinerne Brücke über die Drina, jenen Fluss auf dem Balkan, der inmitten Europas Bosnien von Serbien, aber auch Okzident und Orient trennt, kreist das Geschehen in der Stadt Visegrad. Die Brücke, so erzählt Andric, sei im 16. Jahrhundert auf Geheiß des osmani-schen Großwesirs Sokolovic gebaut worden, der einst als Knabe aus dieser Region nach Stambul verschleppt worden war. In langjähriger harter Fronarbeit schlagen die Menschen die elfbogi-ge weiße Brücke über den reißenden Fluss. Seine Krönung findet das Bauwerk in einer weit ausholenden, im Scheitelpunkt gelegenen Terrasse, die rasch zum Mittelpunkt des Lebens und Treibens in Stadt und Region wird.
      Als ruhender Pol geleitet die Brücke den Leser durch bewegte Zeiten: durch Glanz und Verfall des Osmanischen Reiches, österreichische Besatzung und serbischen Freiheitsdrang bis zum Anbruch jener neuen, modernen Zeit, die der Brücke das Ende bringen sollte - 1914. Gleich nach Beginn des Ersten Weltkriegs sprengen österreichische Pioniere beim Rückzug vor den Serben den Mittelpfeiler in die Luft. In der Zerstörung der Brücke kündigt sich eine Epoche an, in der alles, wofür das Bindeglied zwischen Völkern und Welten stand, zerstört wird.
      Einzelschicksale auf und an der Brücke erlangen gleichnishafte Bedeutung. Ein Aufruhrer wird auf der Terrasse gepfählt, eine unglückliche Braut springt während des Hochzeitszugs über die Brüstung, Würdenträger der Völkerschaften bereden dort die Bedingungen ihres Zusammenlebens. Die strategische Bedeutung der Brücke zieht die Menschen in die Konflikte zwischen den ethnischen und politischen Fronten. In der Geschichte der Brücke spiegelt sich die Geschichte Bosniens, des Balkans und der Welt. Es ist das wahre Leben, rätselhaft und schön, schmerzlich und versöhnlich in einem. Aufbau: Mythen und Legenden, Fabeln und Schwanke hat Andric in seiner Chronik verwoben. Grotesker Humor und zarte Liebesszenen, skurrile und ehrwürdige Gestalten, Leichtsinn und übermütiges Fabulieren stehen neben tiefgründigen Gesprächen. »Hauptfigur« des Romans ist die Brücke. Im Duktus eines orientalischen Märchenerzählers fügt der Autor mit breitem Atem Geschichte an Geschichte und verbindet die Abfolge menschlicher Schicksale mit Betrachtungen über die Zeit, die im Bild der Brücke, als Sinnbild des Ãoberbrückens von Gegensätzen zusammenlaufen. Wirkung: Schon in den 1950er Jahren fand der Roman Die Brücke über die Drina international Beachtung. Nach der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Andric wurde das Buch in alle Weltsprachen übersetzt. Zu neuer Aktualität gelangte es durch den Jugoslawienkonflikt im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.
      Die wichtigsten Bücher von Ivo Andric
Wesire und Konsuln 1945 Die Chronik der bosnischen Kleinstadt Travnik 1806-14 ist ein Bekenntnis zur Versöhnung der Völker, Kulturen und Religionen.
      Die Brücke über die Drina, 1945 In der 400-jährigen Geschichte einer Brücke spiegelt sich das Schicksal von Menschen unterschiedlichster Herkunft.
      Das Fräulein 1945 Das Psychogramm einer krankhaft geldgierigen Frau ist eingebettet in die Geschichte Sarajevo und Belgrads 1900 bis 1920.
      Derverdammte Hof 1954 In der Novelle um ein Gefängnis im Osmanischen Reich bilden die Insassen eine Welt aus Völkern, Kulturen und Religionen.
      Der Zweite Weltkrieg in der polnischen Literatur
Jerzy Andrzejewski 1945 Warschauer Karwoche: Roman über den Aufstand der Juden im Warschauer Getto zu Ostern 1943, der u.a. den latenten Antisemitismus der Polen thematisiert.
      Melchior Wahkowicz 1945-47 Die Schlacht um Monte Cassino: Dreibändiger Zyklus von Kriegsreportagen über die verlustreichen Kämpfe des Zweiten Polnischen Korps an der italienischen Front im Mai 1944.
      Stefan Wiechowski 1947 Cafe^Neunaugeff.'Humoristischer Abenteuerroman aus dem Kleinbürger- und Kleinganovenmilieu über das Leben in Warschau während der Okkupationszeit.
      Jerzy Andrzejewski 1948 Asche und Diamant.Roman über die Situation in Polen nach der Okkupation durch die Nationalsozialisten.
      Janjözef Szezepahski 1955 Der polnische Herbst: Ein autobiografischer Roman über die totale militärische Niederlage der polnischen Armee während der ersten Septemberwochen 1939.
      Jerzy Stefan Stawihski, 1956 Der Kanal: Roman über die gefahrvolle und verlustreiche Flucht der letzten Warschauer Aufständischen aus der zerstörten Stadt.
      Roman ßratny 1957 Kolumbus Jahrgang 20:Roman über die Generation der um 1920 geborenen Warschauer, die ihre Jugendjahre im bewaffneten Kampf gegen die Deutschen verbrachten.
     


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Andric,  Ivo    


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