Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


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Amery, Jean - Leben und Biographie



In seinem Werk beschreibt Jean Amery Grenzsituationen des menschlichen Daseins und Denkens. Insbesondere durch die Philosophie von Jean-Paul -> Sartre beeinflusst, thematisiert er in seinen gesellschaftskritischen Essays sowohl Probleme der Gegenwart als auch exis-tenzielle Fragen und bezieht dabei eine kämpferische und zugleich aufklärerische Position, so z.B. in Ãœber das Altern .
      Der aus einer jüdischen Familie stammende Amery studierte Literaturgeschichte und Philosophie in Wien. 1938 emigrierte er nach Belgien. Als Mitglied der Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzungsmacht war er nach seiner Verhaftung 1943 bis 1945 in mehreren Konzentrationslagern interniert und lebte nach Kriegsende als freier Schriftsteller in Brüssel. 1978 nahm er sich in einem Salzburger Hotel mit Tabletten das Leben.
      Amery verfasste autobiografi-sche Schriften und einen Roman-Essay [Lefeu oder
Der Abbruch, 1974). Freiheit wird __________bei Amery denkbar radikal ge-fasst: Die menschliche Existenz ist absolute Freiheit, metaphysisch heimatlos und zu nichts verpflichtet oder gezwungen, da sie als das Eigenste begriffen wird. Diese Freiheit umfasst auch die Möglichkeit, den Zeitpunkt des eigenen Todes zu bestimmen.
      Hand an sich legen
In seinem »Diskurs über den Freitod«, so der Untertitel des Essays, wählte Jean Amery einen zutiefst existenzialistischen, von allen wissenschaftlichen Forschungen zu diesem Thema sich unterscheidenden Zugang. Bereits die explizite Zurückweisung der Bezeichnung »Selbstmord« unterstreicht, dass der Autor alle Ansätze der so genannten Suizidologie für völlig ungeeignet hält, diese Situation einer letzten, persönlichsten Freiheit zu erfassen. Letztlich ist seine Arbeit über den Freitod thematisch wie auch biografisch »logischer« Schlussstein eines nur dieser Freiheit verpflichteten Denkens und Lebens. Inhalt: Zu Beginn des Essays beschreibt Amery die Standpunkte der Wissenschaften zum Freitod, um diese anschließend mit Gegenargumenten zu widerlegen. Seine Eingangsthese lautet, dass Psychologen, Psychiater, Soziologen und Seelsorger den Hang zum Selbstmord als zu behandelnde Krankheit begreifen und als einen subversiven, gegen die Gesellschaft gerichteten Akt. Wissenschaftler suchen nach Gründen für die Ablehnung und Aufgabe der als normal unterstellten Haltung deT Lebensbejahung und entwickeln Therapien als kurative Maßnahmen. Amery weist diese Haltung vehement zurück, da sie, wie alle Suizidologie, den Freitod nur im Kontext allgemeingültiger Logik des Lebens beurteilt, statt nach einer davon unabhängig existierenden individuellen Auffassung. Im Grunde müsse jede Art von Logik bei dem Versuch scheitern, die Gefühlswelt desjenigen zu erfassen, der sich für den Freitod entscheidet, weil sich jeder potenzielle Selbstmörder in einer absurden und paradoxen seelischen Verfassungbefindet.
      Amery begreift den Freitod als einen langen Prozess des »Sich-Hinneigens« und seelischen Annäherns an ein Ende des Lebens und führt den Leser in eindringlicher Sprache an die Würde dieser definitiven Haltung heran. Tief empfundener Lebensüberdruss und Ekel vor dem Leben bilden für den Verfasser die Voraussetzung für die Zurückweisung des Lebens. Deshalb ist für den Autor der Freitod letztendlich ein Privileg des Humanen.
      Wirkung: Handan sich legen ist seit seiner Veröffentlichung ein äußerst umstrittenes Buch. Dabei will es durchaus keine allgemeingültige positive Darstellung des Freitods geben noch beweisen, dass die Wirklichkeit generell unerträglich ist. Der Autor wollte seine Ausführungen als Äußerung verstanden wissen. Die einzigartige Stellung des Werks beruht auf der Tatsache, dass es wie kein anderes den Ent-schluss zum Freitod tabulos, souverän und detailliert begründet.


Zur stellung des ,titan' im werk jean pauls

Für Jean Paul ist die Poesie „die einzige zweite Welt in der hiesigen" . Die empirische erste Welt erscheint ihm platt, öde, seelenlos und von allem höheren Sinn verlassen. Daher muß sich die Seele mit Hilfe der Phantasie über sie hinausschwingen, um ihrer höheren Bestimmung innezuwerden. Das Gegebe .....
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Jean paul (d.i. johann paul friedrich richter)

Geb. 21.3.1763 in Wunsiedel; gest. 14.11.1825 in Bayreuth »Ich habe ihn ziemlich gefunden, wie ich ihn erwartete: fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist, voll guten Willens und herzlich geneigt, die Dinge außer sich zu sehen, nur nicht mit dem Organ, womit man sieht« . Den Weimarer Klassike .....
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Hans/jean arp (i886-i966)

I. Arps Texte als Provokation konventioneller Gedichtanalyse Müßig ist die Diskussion, ob Hans Arp in erster Linie Bildender Künstler oder Dichter war - schärfer noch, sie verkennt die Reziprozität als Grundelement seines ästhetischen Schaffens: Der Dichter ist nicht ohne den Künstler, der Künstler .....
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Dissemination und dialektik der totalität: derrida, jean-pierre richard und mallarme

Die Konfrontation zwischen Strukturalismus und Dekonstruktion im vorigen Abschnitt könnte als eine theoretische Einleitung zu Derridas Kritik an Jean-Pierre Richards thematischer Interpretation von Mallarmes Dichtung gelesen werden. Obwohl Richard kein Vertreter des linguistisch-semiotischen Strukt .....
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Derrida, jean-pierre richard und mallarme: dekonstruktion oder dialektik der totalität?

Es geht hier im Anschluß an die dekonstruktive Aufhebung des Gegensatzes literarisch/philosophisch um zwei Mallarmc-Kommentarc, die einander widersprechen. Der eine ist Dcrridas bekannter Text "La Double seance", der zuerst in Tel Quel , später in La Dissemination erschien, der andere Jean-Pierre Ri .....
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Alembert,jean le rond d'

»Man muß der Weisheit oft genug die Narrenkappe aufsetzen, um ihr Gehör zu verschaffen«, so kommentiert Denis Diderot den Rere de d'Akmbert , einen Dialog, in dem er die intellektuelle Persönlichkeit seines Jugendfreundes und Mitstreiters für das Großunternehmen der Aufklärung, die Encyclopedie. por .....
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Baudrillard, jean

Eine Theorie der Moderne, so B.. ist nur aut dem Weg der Radikalisierung aller Hypothesen möglich. Wenn auf Strukturen kein Verlaß mehr ist und die Ereignisse allen Beschreibungen davonlaufen, dann muß die Theorie schneller werden als die Ereignisse - oder so langsam, daß sich in ihren Verzögerungen .....
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Bodin,jean

Spätestens seit der Aufklärung leidet das Renommee B.s, den die Zeitgenossen noch »den gelehrten Bodin« nannten, darunter, daß er auch eine dem Hexenhammer verwandte Denionoinanie des Soniers verfaßt hat, einen Leitfaden zum Führen von Hexenprozessen, der Folter und Feuertod für die meist weiblich .....
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Condorcet, marie jean antoine xicolas, marquis de

Sein Tod war unwürdig. Doch als gälte es. das Ende zu überhöhen, haben die Biographen dem fünfzigjährigen - »- " '" Mann, der am Morgen des 2$. März l im Gefängnis von Bourg-la-Rcine tot aufgefunden wurde, im nachhinein den Schierlingsbecher in die Hand gedrückt. »Sie sagten: .....
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Lyotard, jean-francois

Allgemein bekannt wurde L. dadurch, daß er das Schlagwort von der »Postmoderne« in die philosophische Debatte einführte {La conditio»! postmoderne. 1979: Das postmoderne Wissen). Dessen Rezeption lief seinen eigentlichen Intentionen jedoch derart zuwider, daß er sich gezwungen sah. in weiteren Publi .....
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Piaget,jean

Nur das Kind denkt wirklich kreativ«, hat P. geschrieben, und dieser Satz trifft in zweifacher Hinsicht auf ihn selbst zu. Zum einen war er durch seine eigenen Untersuchungen davon überzeugt, daß Kinder die Möglichkeit zu einer Kreativität haben, um die Erwachsene sie nur beneiden können. Zum andere .....
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Rousseau, jean-jacques

Selbstbewußte Bürger wie der Deutsche Campe wallfahrte-ten ebenso wie Ludwig XVI., Marie Antoinette, Franklin, Robespierre oder Napoleon I. an das Grab R.s.. In einem eigentümlichen Inemanderübergehen von ethischer Person und literarisch-philosophischer Äußerung des Autors R. wurde er ihnen allen a .....
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Sartre, jean-paul

19 April 1980: Spontan begleiten 50000 Menschen S.s Sarg zum Friedhof Montparnasse. Wochenlang beschäftigen sich Presse, Rundfunk und Fernsehen in Frankreich mit seinem Leben und Werk. Man nimmt Abschied von einer Epoche, die durch S.s Denken und Engagement geprägt war. »Schon jetzt fehlt uns seine .....
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Jean paul friedrich richter (i763-i825)

Während Heinrich von Kleist an der Wirklichkeit zerbrach, hat sie Jean Paul gemeistert und überwunden. Aus der Enge des damaligen Bayreuth baute er sich das Weltall seiner sehnsüchtigen Träume und Ideale. Und was die Bereicherung der deutschen Sprache vom Dichterischen her angeht, muß Jean Paul nebe .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Jean paul

Jean Pauls Leben war bis zu seiner endgültigen Ãœbersiedlung nach Bayreuth eine wechselnde Abfolge zwischen ländlicher oder kleinstädtischer Zurückgezogenheit und längeren Aufenthalten in Univer-sitäts- und Residenzstädten - oder ins Literarische übersetzt: zwischen der scheinbaren Beschaulichkeit .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Trauerarbeit der moderne in romanen von francois bon, jean echenoz und marie redonnet

Auch wenn man das Paradigma der Nachmoderne nicht als Epochen-Signum akzeptiert, stellt die jahrzehntelange Debatte um seine Legitimität unter Beweis, daß sich die Moderne tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt sieht, die in vielem Merkmale einer Krise aufweisen. Auf diesen Veränderungsprozeß, der .....
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Index » Die Generation der 80er Jahre

Der spielerische umgang mit der absurdität des alltags in den romanen von patrick deville und jean-philippe toussaint

Der Franzose Patrick Deville und der Belgier Jean-Philippe Toussaint, beide 1957 geboren, zählen mit ihren Kurzromanen zu den richtungsweisenden Nachwuchsautoren der achtziger Jahre. Toussaints Debüt 1985 mit La salle de bain war ein Erfolg, an den er mit drei weiteren Romanen, Monsieur , L'appareil .....
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Index » Die Generation der 80er Jahre

Auslegung von elektronischen texten - jean-luc godards mini-serie «histoire(s) du cinema»

Das medienkulturelle Niveau, auf dem wir uns im 20. Fin de siecle bewegen und das die Rede vom < elektronischen Text> grob markiert, zeichnet sich aus durch den Versuch der Machtübernahme einer spezifisch begründeten Bezeichnungspraxis: Das Symbolische in seiner höchsten Form des zweiwertigen Zahlen .....
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Index » Beispiele der Texthermeneutik

Jean paul (d.i. johann paul friedrich richter)

»Ich habe ihn ziemlich gefunden, •wie ich ihn erwartete: fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist, voll guten Willens und herzlich geneigt, die Dinge außer sich zu sehen, nur nicht mit dem Organ, womit man sieht« . Den Weimaraner Klassikern, auf der Suche nach Bündnispartnern und Gefolgsleut .....
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Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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