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Alemän, Mateo - Leben und Biographie



span. Schriftsteller

•28.9.1547 Sevilla ,+ 1613/14 Mexiko
I Guzmän de Alfarache, 1599/1

   Neben Miguel de -> Cervantes Saavedra, Balta-sar Graciän und Lope de Vega zählt Mateo Alemän zu den wichtigsten Schriftstellern des spanischen Siglo de Oro.
      Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, studierte der Sohn eines Gefängnisarztes 1564-68 in Sevilla, später an den großen Universitäten von Salamanca und Alcala de Henares Literatur, Philosophie und Medizin; zu einem Abschluss hat er es nie gebracht. Mehr schlecht als recht verdiente er sich als Arzt. Soldat, Rechnungs-führer und kleiner Untersuchungsbeamter im Dienst von Philipp 11. seinen Lebensunterhalt. Erst der Schelmenroman Guzmän de Alfarache begründete seinen Ruhm als Schriftsteller. Dagegen sind die Heiligenvita Vida de San Antonio de Padua und das Regelbuch Ortografia eastellana{] 609) bald in Vergessenheit geraten. Doch selbst nach dem enormen Publikumserfolg des Guzmän blieb Aleman arm; des Öfteren saß er in verschiedenen Schuldtürmen ein. Aleman war ein konvertierter Jude und bekam als solcher die Repressalien der Gegenreformation nach dem Tridentinischen Konzil besonders zu spüren. Dies und die Furcht vor seinen Gläubigern dürfte ihn bewogen haben, sein Heil in der Neuen Welt zu suchen. 1608 schiffte sich Aleman nach Mexiko ein. Eine Biografie des Erzbischofs Fray Garcia Guerra von 1613 ist sein letztes Lebenszeugnis.
      Guzmän de Alfarache

OT Guzmän de Alfa räche
OA 1599/1604 DE 1615

Form Roman Epoche Siglo de Oro
Nach dem 1554 anonym veröffentlichen Das Leben des Lazarillo de Tormes bildet Guzmän de Alfarache von Mateo Aleman das gewichtigste Werk in der Tradition des spanischen Schelmenromans . Entstehung: Bereits 1597 war der erste Teil des Guzmän abgeschlossen, doch nachdem es vom Königlichen Rat, dem Zensor und einem Generalkorrektor abgesegnet war, wurde ihm 1599 das Druckprivileg erteilt. 1602 erschien ein apokrypher zweiter Teil, mit dem ein gewisser Juan Marti vom kommerziellen Erfolg des Romans profitieren wollte. Aleman rächte sich mit den Waffen der Literatur: In seiner eigenen Fortsetzung macht er eine Figur namens Sayavedra zum Diener seines Helden Guzmän. Ein geplanter dritter Teil wurde nie geschrieben. Inhalt: Der mit autobiogranschen Elementen versetzte Roman spiegelt die Zeit, da der Untergang des spanischen Weltreichs absehbar wird. Die Reichtümer aus den amerikanischen Kolonien sind verprasst oder verschwinden in dunklen Kanälen. Der unehelich gezeugte Guzmän de AIfaräche verlässt als 14-Jähriger das heimatliche Sevilla, um, »an Träumen reich, aber an Gelde arm«, in der Fremde sein Glück zu versuchen. Landstraßen, Kneipen und Gefängnisse säumen seinen Lebensweg. Konfrontiert mit der allerorts herrschenden Heuchelei verliert er bald seinen Kinderglauben an das »Gute im Menschen«. Teils als Bettler, teils als wohlbetuchter Hochstapler und Betrüger schlägt er sich durchdie spanischen und italienischen Lande. In Rom, wo er das Bettlerhandwerk erlernt hatte, dient er einem Kardinal und ist Hausnarr beim französischen Botschafter. In Madrid versucht er sich als Großkaufmann, nach einer Bekehrung zum tugendhaften Leben will er gar Priester werden. Doch ihn zieht - wie oft - das Ewigweibliche wieder hinab. So verdingt er sich als Zuhälter seiner eigenen Frau und wird schließlich als Strafgefangener auf eine Galeere verbannt.
      Plötzliche Erhöhung und atemberaubender Fall wechseln für Guzmän nach den Gesetzen des Schicksals. Alemäns Roman steckt voller Welt und Witz, ohne auf den räsonierenden Aspekt zu verzichten, denn letztlich spielen sich all die Schurkereien und Schandtaten vor dem Horizont christlicher Heilssuche. Aufbau: Die meist autobiografische Ich-Erzählung macht ausgiebig von der Möglichkeit der rückblickenden kritischen Bestandsaufnahme Gebrauch. Wie andere Helden der Gattung ist Guzmän ein Einzelgänger und Außenseiter aus unteren sozialen Schichten. Unverschuldet an den Rand der Gesellschaft gedrängt, reist er durch die Welt und dient verschiedenen Herren, wobei sein Blick durch alle Gesellschaftsschichten schweift.
      Aleman verwendet als wichtiges Strukturmerkmal des Schelmenromans den initialen Schock, der schlagartig einer Illusion beraubt und das Wechselspiel von Täuschung und Enttäuschung initiiert. Guzmän verfugt wie alle seine literarischen Geschwister über eine private, absolut gesetzte Moral, die er der offiziellen entgegenhält. Von politischen Umsturzplänen hält er sich fern, es geht ihm vielmehr um ein satirisches Bild der Gesellschaft, die er oft mit seinem beißenden Spott überzieht. Nicht zuletzt ist der Schelm am sinnlichen Genuss des Augenblicks interessiert, der seinen Wert freilich erst der Ahnung von Endlichkeit und Tod verdankt. Wirkung: Bei seinen Zeitgenossen war Guzmän de Alfarache weit populärer als Don Quijote de la Mancha von Cervantes. In kürzester Zeit wurde der Roman in fast alle europäischen Sprachen übersetzt und erreichte mehrere Auflagen. Aufgrund des gewandelten Zeitgeistes sind bei modernen Ãœbertragungen und Bearbeitungen die ausufernden moralisierenden Passagen nach und nach gekürzt worden. In Johann Jakob Christoffel von -» Grimmeishausen oder auch Alain-Rene besage hat Aleman Nachahmer gefunden.


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Alemän,  Mateo    




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