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Aichinger Lise - Leben und Biographie



Österreich. Schriftstellerin,* 1.11.1921 Wien

[Q Die größere Hoffnung, 1

  
   Ilse Aichinger ist eine der wichtigsten Autorinnen Österreichs. Ihr relativ schmales Gesamtwerk - Gedichte, Erzählungen sowie der Roman Die größere Hoffnung- ist geprägt von radikaler Sprachskepsis. Im Versuch, neue Wirklichkeitserfahrungen adäquat darzustellen, gelangt Aichinger zu einer immer knapperen, präzisen Bildsprache, in der innere und äußere Erlebnisse zu einer oft surreal verfremdeten Bilderwelt verschmelzen. Inhaltlich sind ihre nicht leicht zugänglichen Texte durchdrungen von Leid- und Todeserfahrung, aus der jedoch eine unerschütterliche Hoffnung erwächst.
      Aichinger wurde als Tochter einer jüdischen Ärztin und eines »arischen« Vaters in Wien geboren. Während ihrer Schwester nach dem Einmarsch der Deutschen in Österreich 1939 noch die Flucht nach England gelang, wurden die jüngeren Geschwister der Mut-ter und ihre Großmutter 1942 deportiert und ermordet. Aichinger selbst verbrachte die Kriegszeit mit ihrer Mutter in Wien, denn die Mutter einer noch unmündigen »Halbarierin« durfte nicht deportiert werden. Nach dem Krieg begann Ilse Aichinger ein Medizinstudium, das sie aber zu Gunsten ihrer literarischen Arbeit aufgab. 1952 erhielt sie für die Soiegelgeschich-te den Preis der »Gruppe 47«. Darin erzählt sie die Lebensgeschichte einer Frau nach einer Abtreibung, beginnend vom Ende her. 1953 heiratete sie den Lyriker und Hörspielautor Günter Eich , mit dem sie zwei Kinder hatte. Nach Jahren in Bayern, Salzburg und Frankfurt am Main lebt Ilse Aichinger seit 1988 wieder in Wien.
      Diegrößere Hoffnung

OA 1948 Form Roman Epoche Moderne
Ilse Aichingers einziger Roman ist eine literarische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Er schildert das von Angst und Terror erfüllte, ständig zwischen Hoffnung und Verzweiflung pendelnde Leben einer Gruppe von rassisch verfolgten Kindern in einer großen Stadt, die unschwer als Wien zu erkennen ist. Entstehung: Als »Halbarierin« war Aichinger in der NS-Zeit nicht unmittelbar bedroht, musste allerdings miterleben, wie nahe Verwandte deportiert wurden. Diese leidvollen Erfahrungen bilden die autobiografische Basis des Romans, dessen Hauptfigur Ellen ebenfalls zwei »falsche«, d.h. jüdische Großeltern hat. Die größere Hoffnung entstand in den ersten Nachkriegsjahren und nahm Aichinger dermaßen in Anspruch, dass sie ihr Medizinstudium abbrach. Inhalt: Die etwa 15-jährige Ellen nährt vergeblich die große Hoffnung, ihrer Mutter in die Emigration folgen zu dürfen, und muss stattdessen bei ihrer »falschen« Großmutter bleiben. Alle ihre Freunde haben mindestens drei »falsche« Großeltern und leben in ständiger Angst vor der geheimen Polizei. Es ist ihnen nahezu alles verboten, sie dürfen nicht auf Parkbänken sitzen, müssen auf dem Fnedhof spielen und den gelben Stern tragen. Ellen leidet darunter, nicht ganz zu ihnen zu gehören, da sie als »Halbjüdin« nicht den Rassegesetzen unterliegt. Als sich ihre Großmutter aus Angst vor der Deportation das Leben nimmt und alle ihre Freundeverhaftet werden, läuft Ellen durch die heftig umkämpfte Stadt und wird bei dem Versuch, eine militärische Nachricht zu überbringen, durch eine explodierende Granate zerrissen. Kurz vor ihrem Tod erscheint Ellen ihr Freund
Georg, dem sie anstelle der zerstörten eine neue Brücke bauen will, die den Namen »die größere Hoffnung« tragen soll.
      Aufbau: Der Roman besteht aus zehn Kapiteln. Er beginnt mit Ellens Versuch, ein Visum zu erlangen, und endet mit ihrer Entrückung und ihrem Tod. Die Chronologie der Ereignisse wird zwar gewahrt, doch ist es mehr ein assoziatives Fortschreiten, in dem Bilder aus der Traum- und Fantasiewelt mit solchen aus der Wirklichkeit zu einem vielschichtigen sprachlichen Gewebe verknüpft werden, das den Gesamteindruck des Romans stärker beherrscht als die eigentliche Handlung. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die Vermeidung einer konkreten Ortsangabe - nie wird Wien als Schauplatz der Romanhandlung genannt - und jeder genauen historischen Fixierung. Die Worte Juden, Nationalsozialismus oder Hitler kommen im Text nicht vor, der konkrete Terror des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs werden dadurch ins Symbolische überhöht.
      Wirkung: Der Roman fand anfangs nur wenige Rezensenten und Leser. Offensichtlich erfüllte er nicht die Erwartungen, die viele Menschen nach dem Ende des Kriegs und des nationalsozialistischen Terrors an die Literatur stellten. Statt Anklage und Abrechnung mit dem Hitler-Regime zu liefern, ging Aichinger auf irritierende und schockierende Weise auf die Ängste, Demütigungen und Selbstanklagen der Opfer ein. Die größere Hoffnung ist zwar bis heute kein Bestseller geworden, doch ist es, nach einem Wort von Peter -»Härtung, immer noch »ein Buch, das geduldig auf uns wartet«.


Aichinger, ilse

Geb. 1.11.1921 in Wien Ein »zartes, vielgeliebtes Wunderkind« war - so erinnert sich der Kritiker Joachim Kaiser noch 1980 - A. für die Mitglieder der legendären Gruppe 47, als sie an deren Tagungen teilzunehmen begann und 1952 für die Spiegelgeschichte ihren Preis erhielt. Einer aus der Gruppe, d .....
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