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Adolf Meschendörfer - Leben und Biographie



Das Schaffen Adolf Meschendörfers umfaßt alle literarischen Gattungen, einschließlich Kunstkritik und -erziehung. Seine Lebensaufgabe stellte ihn vor eine Anzahl von Pflichten, denen er als Dichter, Kulturpolitiker, Lehrer — und in all diesen Bereichen als Bahnbrecher — nachgekommen ist. Die epische Gattung, und besonders der Roman, ist als ein 'Gebiet seines vielverzweigten Wirkens vom literarturgeschichtlichen Standpunkt wohl das wichtigste" 1 — ein Umstand, der einen veranlaßt, den Dichter an dieser Stelle einzuordnen.
      Äußerlich nicht bewegter als das irgendeines siebenbürgisch-sächsischen Schriftstellers bis zu seiner Zeit ist auch das Leben Adolf Meschendörfers. Aufs ganze gesehen nimmt es auch denselben Verlauf, ohne besondere dramatische oder gar abenteuerliche Höhepunkte. Im Gesamtüberblick stellt es eine langsam, aber stetig ansteigende Linie dar. Er wurde 1877 in Kronstadt als Sohn eines Kaufmanns geboren und vom Vater ebenfalls zum Kaufmann bestimmt. Die humanistische Mittelschulreife mußte er, dem väterlichen Willen zum Trotz, noch im Privatstudium nachholen, bezog dann zwar die Handelsakademie in Budapest, wandte sich darauf aber dem Studium der Germanistik in Straßburg, Wien, Heidelberg, Klausenburg und Berlin zu. Frühe literarische Arbeiten erschienen während dieser Zeit in der Straßburger Bürgerzeitung, in Berliner, Wiener und Budapester Blättern — 'sie sind heute verschollen, belanglos geworden neben der Aufgabe, die sich der Heimgekehrte gestellt hatte und nun zu lösen unternahm"2. 1901 wurde er in der Vaterstadt Lehrer, in der Folge Leiter verschiedener Schulanstalten und 1926 schließlich Rektor des Honterusgymnasiums, das er bis 1942 leitete. Wichtiger ist seine kulturpolitische Tätigkeit als Herausgeber der Zeitschrift Die Karpathen von 1907 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Aufgabe dieser Zeitschrift bestand darin, neben der eigenen Kulturtradition und künstlerischen Leistung jener Jahre die der in Siebenbürgen lebenden Völkerschaften zu pflegen, zwischen ihnen wie auch zwischen Heimat und Ausland zu vermitteln und auf diese Weise die 'Abkapselung im rein Sächsischen" zu durchbrechen.
Im ersten Jahrgang dieser Zeitschrift veröffentlichte Meschen-dörfer in Fortsetzungen zugleich seinen ersten Roman, Leonore, dem eine doppelte Bedeutung zukommt: für Siebenbürgen geschieht hier der Durchbruch zur europäischen Literatur, zugleich wird damit aber auch der Bruch mit der Tradition des historischen Romans in der heimischen Literatur endgültig vollzogen und besiegelt. Auch brach Meschendörfer seiner eigenen Vielseitigkeit als Erzähler Bahn.
      Seine späteren Werke erschienen in langsamer Folge: Vorträge über Kultur und Kunst , das Drama Michael Weiß , Gedichte , Drei Dramen , die Romane Die Stadt im Osten sowie Der Büffelbrunnen , eine Autobiographie und mehrere Aufsätze in dem Büchlein Siebenbürgen, Land des Segens , Siebenbürgische Geschichten , die beiden Novellen Alarm und Eine Beichte und schließlich postum eine Gesamtausgabe seiner Gedichte .
      Adolf Meschendörfer starb 1963 in seiner Vaterstadt.
      In den Zusammenhang dieser Darstellung gehört eine Würdigung von Meschendörfers Erstlingsroman Leonore.
      Ein Weltreisender, Dr. Svend, unterbricht auf dem Weg von Paris über Wien nach Indien seine Fahrt in Kronstadt, mit der Absicht, sich hier ein paar Stunden aufzuhalten. Auf einem Gang durch die Stadt begegnet er Leonore, einem achtzehnjährigen Mädchen, 'was die Lage gleich veränderte". Aus den Stunden werden Monate, obwohl der 'überfeinerte und übersättigte" Dr. Svend sich über die Liebe erhaben dünkt und Frauen ihm nur Spiel und Genuß sind. Die Maske des blasierten Weltmannes fällt schließlich, er entpuppt sich als 'ein Gemisch von Sentimentalität, Blasiertheit, Frivolität und Exzentrizität", macht Leonore den Hof und fährt sie mit vier Hengsten spazieren, die er eigens dazu gekauft hat. Obwohl Leonore sich von einem Ingenieur8, der sie bisher umworben hat, abwendet, gelingt es Svend nicht, sie zu erringen. Er will es auch nicht ernstlich, oder er redet sich das zumindest ein. In seinem Widerspruch zwischen Verstand und Gefühl verletzt er sie, kaum daß er sie zum erstenmal wie ein 'schmachtender Gymnasiast" 9 geküßt hat. Den Entschluß abzureisen gibt er zunächst wieder auf, sucht sich in den Bergen auf sich selbst zu besinnen, kehrt in die Stadt zurück, aber in seiner Eifersucht auf den Ingenieur gelingt es ihm nicht, die gekränkte Leonore zu versöhnen. Nachdem er den Ingenieur auch noch öffentlich beleidigt hat, verlobt Leonore sich mit seinem Gegenspieler und bittet Svendbei der letzten Begegnung, ihr die Pferde für die Fahrt zur Trauung zu leihen. Nach einer letzten Ausfahrt läßt er aber die Tiere erschießen. Leonore wird darüber krank, der Ingenieur reist ab, worauf Svend selbst nach Indien aufbricht, wo er den Frieden zu finden hofft, den er Leonore in seinem Abschiedsbrief wünscht.
      Manche Kritiker und Rezensenten halten Meschendörfers Leonore für den ersten modernen siebenbürgisch-sächsischen Roman. Alle wägen die Stärken und Schwächen ab und kommen zu dem Schluß, daß hierzulande so eine Leistung noch nie zu verzeichnen war n oder wenigstens 'seit vielen Jahren nicht" 12. Ob sich hinter der letzten Einschränkung eine Erinnerung oder heimliche Mahnung an Faklers Gespenst verbirgt, ist nicht zu erkennen — genannt wird dessen Name nirgends im Zusammenhang mit Leonore. Eine nachhaltigere Wirkung hat jedenfalls Meschendörfers Roman gehabt. Selbst ein so strenger Kritiker wie Karl Kurt Klein weiß, indem er sich bemüht, den Roman 'in die Totalität, das System" der Literaturwissenschaft zu stellen, die Vorzüge herauszustreichen, ehe er das Urteil fallt: 'Absolute Vollendung besitzt er nicht" 13. Klein erweckt dadurch den Eindruck, als ob er den Roman im Endergebnis negiere. Die andern insgesamt stellen alle Rigorosa voran und leiten die Zusammenfassung, die in einer Laudatio gipfelt, mit einem Trotzdem ein. So in beispielhafter Weise Konrad Richter. u Zum erstenmal wendet auch die Kritik, wenn auch zögernd, andere als nur die bisher üblichen Maßstäbe an.

     
   Im Zusammenhang mit der Aufnahme des Romans Leonore verdient jedoch ein besonderer Umstand Aufmerksamkeit: Alle diese und noch zahlreiche andere Urteile und Stellungnahmen stammen erst aus der Zeit nach dem Erscheinen der Buchausgabe um die Jahreswende 1920/21, manche sogar von noch später 16, keine aus der Zeit der Karpathen, in deren erstem Jahrgang der 190517 geschriebene Roman in Fortsetzung erschienen war. Mit dieser Art seines Auftritts war der Roman 'vergraben" und aus dem Bewußtsein selbst seiner ersten Leser so gut wie gelöscht. Zwei Stimmen aus jener Zeit gibt es, die sich zu dem Roman äußern, allerdings haben beide Sprecher seine Bedeutung nicht erfaßt. Zudem sind beide ungerecht. Traugott Teutsch, aus durchaus subjektiv-egoistischen Gründen, registriert die Leonore dabei nicht nur, sondern verdammt mit dem Roman den Verfasser und sein kulturpolitisches Anliegen in Bausch und Bogen. Tragisch war dieses Verkennen für den Rezensenten, nicht für den Verfasser der Leonore. Beide wurden einander dadurch für immer entfremdet, und der Angreifer brachte sich selbst um den wichtigsten Bundesgenossen. Im Grunde ging es ja auch Teutsch um dasselbe Ziel, um Kulturpolitik, umdie ästhetische Erziehung der deutschen Leser im Lande. Aber den Einblick und das Verständnis für das eigentlich Moderne an diesem Buch und seiner Haltung verrammelte sich der zum Feind gewordene Kritiker selbst. Im übrigen fand er kaum, jedenfalls keinen öffentlichen Widerhall.
Möglich aber, daß unter der Oberfläche die Lunte weiterglomm und bei der Buchausgabe der Leonore dann erst die Wirkung auslöste. Es ist müßig, zu fragen, ob 1907 eine Buchausgabe ebenso, ob sie stärker oder weniger stark eingeschlagen hätte. Eigentlich kam eine solche Neuauflage 1920 schon ein wenig spät, wenn auch noch nicht zu spät und gerade noch knapp vor dem Antritt der neuen, der um rund zwanzig Jahre jüngeren Generation, die eben aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrte. Spät war es, weil fünfzehn Jahre nach der Niederschrift sich die Welt selbst geändert und das Bewußtsein noch immer nicht alle sozialen Veränderungen zur Kenntnis genommen hatte.
      Vielleicht war aber gerade dieser Augenblick auch wiederum der allergünstigste für die Rezeption der Leonore, weil inzwischen die Geschichte selbst eine Lehre erteilt hatte, auf die die erste Fassung schon hinwirken oder hinweisen wollte: auf das Kleinstädterwesen und seine Selbstherrlichkeit, das Philistertum der sächsischen Bürgerschaft, die Maß-losigkeit im Sinne eines fehlenden Maßstabs, an dem man sich selbst und die Welt messen konnte.
      Was ist nun aber das 'Moderne"? Wodurch unterscheidet sich die Leonore von den bisherigen Romanen der siebenbürgisch-sächsischen Literatur? Es ist von der Kritik, nicht ganz zu Recht, herausgestrichen worden, daß im Gegensatz zur traditionellen Romanprosa hier zum erstenmal weder historischer Stoff noch die eng sächsisch-bezogenen Volks- und Kulturfragen behandelt werden. Genauer besehen trifft aber nur zu, daß es kein historischer Stoff ist. Dafür wird ein Stoff aus der Gegenwart der sächsischen Gesellschaft von Kronstadt behandelt. Denn das Thema 'Großstadt- und Kleinstadtliebe" erweist sich nur als ein Vorwand, wenn wir die Lage und die Hauptgestalt, Dr. Svend , vor allem auf die Sprache hin prüfen. Zwar hält der Verfasser die Fiktion von Svends ausländischem Großstädtertum aufrecht und man nimmt sie, um mit K. Richter zu sprechen, 'auf Treu und Glauben" hin. Aber man merkt die Absicht und ist — amüsiert. Es wirkt immer erheiternd, wenn das autobiographische Subjekt im pseudorelativierten Objekt zum Vorschein kommt. Ab-sieht? Selbstironie wider Willen? Ist unsere Vermutung abwegig, wenn wir hier Naivität bei Verfasser und Leser voraussetzen? Eine Naivität, die zugleich rührend wirkt, um so rührender, als sie siebzig Jahre zurückliegt, in einer Zeit, als es solche Naivität als Echtheit gab — während man heute unfreiwillige Komik registrieren und sie dem Verfasser rüde ankreiden würde.
      Die Inkongruenz der Fiktion ist also auf Treu und Glauben hingenommen, schlimmstenfalls schlechthin registriert worden, nicht aber als ob sie die Substanz selbst beeinträchtigt hätte, das 'Neue". Es muß also etwas geben, das so stark ist oder stark genug, um diese Inkongruenz mehr als wettzumachen.
      Mit einigem Talent und viel Willen sind bis Meschendörfer die meisten siebenbürgisch-sächsischen Romane geschrieben worden, wenige kamen über 'stilreine Langeweile und Blutlosigkeit" 23 hinaus. Nun also tritt als neues Element die Phantasie hinzu — nicht im Hinblick auf die Erfindung einer 'phantastischen", abenteuerlichen Handlung. Es ist vielmehr die Phantasie der Gestaltung. Neu ist also nicht das Talent an sich, neu weiterhin nicht der Wille an sich, den hat auch Traugott Teutsch achtzig Jahre hindurch zäh eingesetzt, sondern ein Leser und Mitarbeiter dynamisierender Wille, und neu ist letztlich die Schöpferkraft. Lauter Dinge, die hier Hand in Hand gehen und über die in Siebenbürgen eigentlich neue Form des Tagebuchromans hinausgehen, über die Form des Apercus, des Impromptus, des Essayistischen hinaus es letztlich auf die Sprachgestalt und Dynamik der Sprache abgesehen haben, und nicht nur darauf zielen, sondern sie auch bewältigen und bis zur letzten Zeile durchhalten. Also schlechthin Dynamik, Lebendigkeit, Tempo. Eigenschaften, die keinen Augenblick Langeweile aufkommen lassen. Ein Verdienst, das gegenüber der Zähigkeit und breitspurigen, umwegigen Prosa der Tradition nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Zwar bleibt die Schützenhilfe noch eine Weile aus, eine eigentliche Nachfolge auf dem Gebiet des Romans gibt es einstweilen nicht, trotz der Karpathen und trotz der um sie gescharten jüngeren Kräfte; Meschendörfer selbst bleibt dem Stiefkind der einheimisch deutschen Literatur bis in die dreißiger Jahre die Nachfolge schuldig. Dennoch spürten die überständigen, die behäbiger gebliebenen und gewordenen Temperamente den reißenden Strom, in dem ihre Felle wegzuschwimmen begannen — wie Traugott Teutschs Protest zeigt, in dem es heißt, daß man Meschendörfer 'mit nerviger Faust und nicht mit Glacehandschuhen anfassen und in die geziemenden Schranken weisen* müsse.

     
  
Wenn die Leonore also trotz Fakler auch das Ende des traditionellen Romans in Siebenbürgen einzuläuten begann, hat ihre Sternstunde doch nicht 1907 bei ihrem ersten Erscheinen geschlagen und ihr schöpferischer Keim erst in der nächsten Generation Frucht tragen können. Keinesfalls aber konnte nach der Leonore ein Schriftsteller in Siebenbürgen noch schreiben, als ob es sie nicht gegeben hätte, und nach dem Grad, in dem er sich von ihr abhob, wurde er gemessen und gewürdigt von den Kennern, selbst wenn sie sich in der Kritik nicht zum Wort meldeten. Mit der Buchausgabe von 1920 trat der Roman aber auch ins Bewußtsein rumänischer Leser, wie seine Ãœbersetzung beweist.
Die erste Behauptung, die Hermann Tontsch in seinen Gedanken über Meschendörfers ,Leonore' aufstellt, lautet: 'Um Meschendörfers Leonore würdigen zu können, muß man künstlerische Objektivität besitzen oder — Jugend." Wenn dieser Satz richtig ist, erklärt er, warum dasselbe Werk 1907 und 1920 so verschieden aufgenommen wurde. Zum ersten Zeitpunkt herrschten noch die Gepflogenheiten und der Geist des 19. Jh.: 'Die Welt vor uns oder über uns, die alle ihre Gedanken einzig auf den Fetisch der Sicherheit einstellte, liebte die Jugend nicht oder vielmehr: sie hatte ein ständiges Mißtrauen gegen sie. [...] Die bürgerliche Gesellschaft [proklamierte] Mäßigkeit und Gemächlichkeit in allen Lebensformen als die einzig wirksame Tugend des Menschen." 27 Mit andern Worten: Da der Autor der Leonore als Rezensent oder Kritiker nicht in Frage kam und andere Vertreter des literarischen Nachwuchses sich einer solchen Aufgabe nicht gewachsen fühlten, blieb es dabei , daß das Alter die 'künstlerische Objektivität", die Tontsch im Jahr 1921 als Vorbedingung für Rezeption überhaupt, geschweige für Verständnis ansah, nicht aufbringen konnte. Mehr als das: Die Stellungnahme Teutschs mußte notwendigerweise in unkünstlerische Subjektivität umschlagen. Er warf sich zum Vertreter der Gesamt-Gemeinschaft auf, hatte also zwar sehr wohl empfunden, aber nicht begriffen, daß eben diese 'Volks"-Gemeinschaft im Bild der Kleinstadt und in der Gestalt der achtzehnjährigen Leonore gemeint und angefochten war. Das Bewußtsein der anonymen Öffentlichkeit muß aber auch 1920 noch negativ angesprochen haben, wie aus Tontschs Gedanken hervorgeht.
      Die breite Leserschaft konnte auf dem Weg über den Kunst-verstand nicht an das Werk heran und noch weniger eindringen, um vielleicht von innen die Welt mit den Augen des Künstlers sich entfalten zu sehen. Aber auch die Jugend war der Dynamikder Leonore nicht gewachsen, noch weniger dem Wechselstrom dieser Dialektik. Dialektik ist aber ein Charakteristikum ihrer Dynamik, der Struktur dieser Bewegung und Bewegtheit, ihrer Sprache, der sprachlichen Gestaltung, in der Gesamtarchitektur wie des einzelnen Teiles, in der Argumentation und Syntax wie auch im semantischen Gebrauch einzelner lexikalischer Partikel.
      Auf äußerste Knappheit ist jedes Kapitel, ist das Ganze des Werkes zugeschnitten. So sind alle zu ergänzenden Details ausgespart. Soweit sie unabdingbar doch dazu gehören, ist der Leser sie herbeizudenken selbst in der Lage. Der Verfasser gerät nicht in Gefahr, durch ihre Häufung die ohnehin gewichtige Fracht noch mehr zu beschweren, und hat dadurch den Vorteil, den Eindruck der Ãœberschaubarkeit des Gesamtgeschehens, der Zugänglichkeit und Leichtigkeit in Form und Sprache zu wahren. Hebbel-schen Einfluß stellt H. Tontsch in der 'Filtrierung von Form und seelischem Inhalt" fest. Klein weist außerdem Hamsunschen Einfluß in Gestaltung, Formgebung, Stilmitteln nach, nicht ohne Selbständigkeit auch in der Abhängigkeit zu erkennen.
Wenn in der Leonore doch etwas fehlt , wenn die 'fast chronische Gereiztheit im Wesen des Dr. Svend" 32 kritisch vermerkt wird, wenn sprachliche Lokalfärbung in einigen Fällen gerügt wird und ähnliches, so rührt das nicht an die Substanz des Werkes und der Leistung in ihrer siebenbürgischen Bedeutung. Diese Substanz ist derart dicht, daß sie noch 1920 nichts von ihrer Frische verloren hat und selbst bis heute nicht. Grund dafür ist eben die Reduktion, die Tendenz der Verknappung, die so weit geht, daß sie die Gestalt der Leonore selbst stellvertretend für die Stadt setzt und zu ihr spricht, als spräche der Tagebuchschreiber zur Stadt 34, sie ist 'die bedeutendste Verkörperung [...], mit ihr wächst die Stadt selbst lebendig hervor."
Die 'Großstadtliebe und die Kleinstadtliebe" ist also selbst nur eine Fiktion. Man kommt zum Schluß, daß Meschendörfer genau so ein guter Sachse ist, wie man es von den Dichtern in der zweiten Hälfte des 19. Jh. forderte. Aber er ist ein eigensinniger 'Moderner", er widersetzt sich dem bis dahin alleinseligmachenden Rezept und Konzept.

     




Adolf endler (-i930)

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