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Achebe, Chinua - Leben und Biographie



Chinua Achebe liefert mit seinen Romanen eine Chronik von der ersten Begegnung zwischen Europäern und Afrikanern über den Kolonialismus bis zur Unabhängigkeit und dem Zerfall der Zivilgesellschaft in Anarchie. 2002 erhielt der Autor den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
      Achebe stammt aus einer christlich geprägten Lehrerfamilie und arbeitete nach dem Studium der Medizin, Literatur, Geschichte und Religion in lbadan zuerst als Lehrer, dann als Rundfunkredakteur. Während des nigerianischen Bürgerkriegs 1967-70 versuchte er auf Auslandsreisen die internationale Staatengemeinschaft für die Position der um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Provinz Biafra zu gewinnen. Nach Kriegsende unterrichtete Achebe an der Universität Nsukka, war als Lektor der renommierten Afri-can Writers Series des Londoner Heinemann Verlags tätig, übernahm Gastprofessuren vor allem in den USA und gründete die legendäre





Hauptfiguren in »Die Frau in den Dünen« von Abe Kobo
Jumpei Niki: Realschullehrer, der in seiner Freizeit Insekten sammelt. Weil er seinen Alltag nicht mehr ertragen kann, fährt er allein in die Dünen. Er verspricht sich von der Entdeckung einer neuen Insektenart Ruhm überseinen Tod hinaus. Die Frau in den Dünen: Witwe um die 30; sieht ihr Lebensziel allein darin, ihr Haus vor dem Sand zu schützen. Sie zeigt kein
Interesse an der Außenwelt, kümmert sich aber um Jumpeis leibliches Wohl. Sie muss aufgrund einer Eileiterschwangerschaft ins Krankenhaus, wodurch Jumpei die Chance zur Flucht erhält.
      Der alte Mann im Dorf: Er vermittelt Jumpei das Quartier bei der Witwe und ist der einzige Mensch aus der Außenwelt, mit dem der »versandete« Jumpei Kontakt hat.
      Literaturzeitschrift Okike sowie den Vorläufer-verlag des engagierten Fourth Dimension Publishing House in Enugu, Nigeria.
      Achebe, dessen Werk mit zahlreichen Literaturpreisen bedacht wurde, zeigt anhand von meist tragischen Figuren die individuelle Komponente gesellschaftlicher Veränderungen. Er malt die psychischen Deformationen aus und vermeidet plakative Ideologisierung.

     
Okonkwo oder Das Alte stürzt
Chinua Achebes Roman schildert den Zusammenprall zweier unvereinbar scheinender Kulturen: der lgbos im Südosten Nigerias mit ihren religiösen Riten und ihrem eigenen Sozialsystem sowie des militärischen Pomps englischer Kolonialherren und christlicher Missionare.
      Inhalt: Der Roman spielt in der Zeit von 1850 bis 1L)00 und zeigt den Wandel der Lebensweise in zwei Dörfern. Der Held Okonkwo, früher Ringkämpfer, ist einer der geachtetsten und mächtigsten Männer eines der Dörfer. Getrieben von der Furcht, wie sein musischer Vater als Versager zu gelten, hat er es bis zum höchsten Titel derlgbo-Gemeinschaft geschafft. Er verkörpert jedoch nicht Toleranz als höchstes Ideal dieser Gesellschaft, sondern hat sich durch Jähzorn und rücksichtslosen Ehrgeiz Respekt verschafft. Dreimal verstößt er gegen Regeln der lgbo-Religionsauffassung, und als er aus Versehen ein Sip-penmitglied tötet, muss er für sieben Jahre ins Exil. Nach der Rückkehr erkennt Okonkwo, wie sehr sich sein Dorf unter dem Einfluss von Christentum und Kolonialismus verändert hat. Seiner Revolte gegen die Kolonialbeamten schließt sich niemand an. Unfähig, sich den neuen Lebensbedingungen anzupassen, erhängt er sich. Aufbau: Achebe zeigt den Werdegang seines Helden in der Retrospektive. Die gemächliche Handlung lässt Raum für die Darstellung des vorkolonialen Lebens im Igbo-Dorf. Das Buch ist in 25 Kapitel eingeteilt, wovon die ersten zehn jeweils ein rituelles Ereignis im Verlauf eines lgbo-Jahres zeigen: u.a. Friedenswoche, Masken- und Erntefest. In Achebes Sprache finden sich Sprichwörter und Bilder aus der lgbo-Xultur; seine Sätze sind zwar kurz, aber kraftvoll. Die Kritik an Kolonialverwaltung und Christentum als Wegbereiter der Kolonisation entbehrt jegliches Pathos und agitatorische Rhetorik, sondern ist um Sachlichkeit und Objektivität bemüht. Zugleich vermeidet Achebe eine Idealisierung des traditionellen afrikanischen, »authentischen« Lebens. Wirkung: Okonkwo oder Das Alte stürzt widerlegte beeindruckend die in der westlichen Welt bis kurz vor der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten weitverbreitete Meinung, dass es in Afrika vor der Ankunft der Europäer keine eigenständigen Kulturen gegeben habe und der Schwarze Kontinent erst durch die Europäer zivilisiert werden musste. Achebe gilt als einer der ersten Schriftsteller, die Afrikas Selbstbewusst-sein durch Verwendung afrikanischer Sprachmuster, Metaphern und Rhythmen zum Ausdruck brachten; gerade der Roman Okonkwo oder Das Alte stürzt gibt ein Beispiel dafür, wie die englische Sprache kunstvoll und verständlich zugleich afrikanisiert werden kann. Das Buch wird seither als Klassiker der afrikanischen Gegenwartsliteratur gehandelt, wurde in mehr als vier Dutzend Sprachen übersetzt und begründete Achebes Ruf als »Vater der modernen afrikanischen Literatur«.


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Achebe,  Chinua    


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