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Philosophie - Quellen und Strömungen
Das Gedankengut der Aufklärung hatte seinen Ursprung in Frankreich und im wirtschaftlich fortschrittlichen England. Der französische Phi-losoph und Mathematiker Rene Descartes war der Be- gründer des modernen Rationalismus .
Die Grundlage aller wissenschaftlichen Erkenntnis sei die natürliche Vernunft. Die Fähigkeit zu denken gebe dem Menschen die Gewißheit, daß er existiere: 'ich denke, also bin ich." Nicht die sinnliche Wahrnehmung, sondern die Überprüfung der Wirklichkeit anhand einesmathematischen Ordnungssystems, in dem alles aufeinander bezogen ist, lasse den Menschen erkennen, wie die Wirklichkeit aufgebaut sei. Die Vernunft gebe dem Menschen die Möglichkeit, über die Natur zu herrschen und seine Lebensbedingungen zu verbessern; denn die Natur sei nicht willkürlich, sondern nach überprüfbaren Gesetzen eingerichtet. Durch diesen radikalen Rückgriff auf das denkende Ich als letzte Instanz der Erkenntnis löste sich die Philosophie aus der Bevormundung durch die Theologie. Der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz führte Descartes' Ideen weiter. Die vernünftige, widerspruchsfreie Ordnung der Welt sei darin begründet, daß allem eine 'prästabilierte Harmonie", eine von Gott im voraus festgelegte harmonische Kraft, innewohne; deshalb sei die bestehende Welt, da sie ja ein Gedanke Gottes sei, auch die beste aller möglichen Welten. Der Offenbarungsglaube wurde durch eine Vernunftreligion ersetzt. Im 18. Jahrhundert trug Christian Wolff wesentlich zur Verbreitung des Rationalismus in Deutschland bei. Sein Grundsatz war, daß das Vernünftige auch das Natürliche sei. Kritik an diesem Vernunftsoptimismus, der die sinnliche Erfahrung vernachlässigte, und an dem mathematischen Weltbild übte Ende des Jahrhunderts Immanuel Kant :
Ohne Sinnlichkeit würde uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden. Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe blind. Die meisten Aufklärer waren Anhänger des Deismus. Gott habe die Welt zwar erschaffen und ihr die Naturgesetze gegeben, er greife aber in die Entwicklung der Welt nicht mehr ein. Die Aufgabe des Menschen sei es, die vernünftige Ordnung der Naturgesetze zu erkennen und nach ihnen zu handeln. Diese Vorstellung hatte auch politische Folgen; denn sie nahm den Menschen nicht nur in die Pflicht, seine Verstandeskräfte zu nutzen, sondern sie gab ihm auch das Recht, sich selbst zu bestimmen. Die Aufklärung war die Alternative des aufstrebenden Bürgertums zur Feudalgesellschaft und zum Absolutismus.
Der Holländer Baruch Spinoza leugnete das dualistische Prinzip, daß es nämlich einen außerweltlichen Schöpfer, das ist Gott, und ein von ihm Erschaffenes, das ist der Kosmos, gebe. Er lehrte einen pantheistischen Monismus; das heißt, er ging von einer einzigen Sub- stanz aus, die Natur und Gott zugleich sei. Alles sei ein Teil des Ganzen und sich untereinander ebenbürtig. Diese Auffassung entzog dem Adel und dem absolutistischen Obrigkeitsstaat die Rechtfertigung seines Machtanspruches. Die harmonische Ordnung der Welt - darin folgte Spinoza den Ideen Descartes' - könne nicht auf Unfreiheit und Unterdrückung aufgebaut sein. Spinoza hat wesentlich die Ideen der Französischen Revolution vorbereitet, und Gotthold Ephraim Lessing bekannte sich in Deutschland offen zum Spinozismus, wodurch er den Widerspruch der kirchlichen und staatlichen Autorität hervorrief.
Aufklärerischer Rationalismus und kritischer Empirismus waren nur scheinbar sich gegenseitig ausschließende Gegensätze; denn beider gemeinsamer Ansatz war die Beschreibung bzw. Erklärung eines in sich schlüssigen und widerspruchsfreien Erkenntnis- und Wissenschaftssy-stems. Gegenüber dem rein abstrakten Denken der Rationalisten gaben die Empiristen aber der Erkenntnis aus Beobachtung und Erfahrung den Vorrang. John Locke gilt als der Begründer des englischen Empirismus. In seinem vierbändigen Hauptwerk An Essay concerning human understanding entwarf er eine Erkenntnislehre, deren Grundlage die sinnliche Erfahrung ist. Aus dieser Erfahrung entwickeln sich Vorstellungen, die wir durch die Tätigkeit des Bewußtseins aufeinander beziehen und so zu Aussagen über Zusammenhänge erweitern, die uns eine Beschreibung der Wirklichkeit ohne Rückgriff auf nur verstandesmäßige Spekulation ermöglichen. Auch Voltaire , einer der wichtigsten kritischen Aufklärer in Frankreich, orientierte sich in seinem philosophischen Denken an Lockes wissenschaftlichem Empirismus. David Hume führte das menschliche Erkenntnis- und Kombinationsvermögen auf einfache Erfahrungen, auf sinnliche Eindrücke zurück, die wir durch geistige Vorstellungen zu ordnen versuchen. Allerdings lasse die Erfahrung nicht den Schluß zu, daß alles nach dem Gesetz der Kausalität, nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung notwendig ablaufe. Unsere Erfahrungswerte seien nur Wahrscheinlichkeitswerte, aber kein Beweis für die Kausalität der Naturgesetze. Der Optimismus der Aufklärung wich bereits der Einsicht, daß dem menschlichen Denken Grenzen gesetzt seien.
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