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Grundbegriffe der Semiotik



Vermittelt die Hermeneutik Kompetenzen zum Analysieren des Lesens und Verstehens, liegt hier also der Schwerpunkt auf dem Verständnis des Menschen als Zeichendeuter, so verleiht die Semiotik Fertigkeiten, den Menschen vor allem als Zeichengeber zu erfassen. Von der Semiotik als Zeichenlehre ist die Zeichentheorie abzuheben.
      Die Semiotik fragt danach, wie im Prozess der Zeichenverwendung zeichenfähiges Material mit Bedeutung verknüpft und auf Aus-schnitte der realen oder irrealen Wirklichkeit bezogen wird. Die Semiologie dagegen fragt nach den Bedingungen der Möglichkeit von Semiose.

      Die gegenwärtig produktivsten Zeichenmodelle stammen von dem amerikanischen Philosophen Charles Peirce und dem Genfer Linguisten Ferdinand de Saussure . Da sich keine verbindliche Terminologie zur Bezeichnung der Zeichenkomponenten herausgebildet hat, sind neben Peirce' Begriffswörtern auch weitgehend synonyme Termini aus anderen semiotischen Traditionen anzueignen.
      1. Das Zeichen nutzt stets ein bestimmtes Zeichenmaterial, das als Zeichenträger dient: in mündlicher Dichtung die Lautung , in der Literatur im engeren Sinn die Buchstabenfolge .
      2. Der Zeichenträger - bei Muschg etwa die Buchstabenfolge «Gräl» -verweist auf ein Zeichenobjekt, eine Erscheinung der aktuellen oder möglichen Welt, hier einen Kelch.
      3. Durch diese Verknüpfung des Materials mit einem Objekt wird ein Interpretant erzeugt, eine Bedeutungszuschreibung, eine Sinngebung . Dieser Interpretant ist in aller Regel selber ein Zeichen , das wiederum einen Interpretanten enthält, der erneut auf einen Interpretanten verweist. So kommt ein unendlicher Prozess der Semiose in Gang, in den Literaturstudenten als Zeichendeuter eintreten.
      Materieller Zeichenträger, reales, imaginatives, fiktives oder illusionäres Zeichenobjekt und sinngebende Verknüpfungsregel bilden als Komponenten des Zeichens das Grundinventar der Semiotik.
      Gattungen der Volkskunst wie Märchen, Sprichwort und Volkslied sowie alltägliches, so genanntes natürliches Erzählen gründen in der Mündlichkeit der Zeichenträger. Dagegen ist die Literatur im engeren Sinn auf die Schriftlichkeit, die Literalität der Zeichenträger angewiesen. Schriftkulturen bilden raffinierte Techniken der schriftlichen Wiedergabe mündlicher Kommunikation aus, z.B. des Dialogs in Roman und Drama.
     
Zeichen sind zudem oft mehrdeutig und mehrwertig: Der Planet Venus erhält als Zeichenobjekt durch Verknüpfung mit den Zeichenträgern «Morgenstern» / «Abendstern» zwei unterschiedliche Interpretanten, zwei Deutungspotenzen:

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